Heute hat es den ganzen Tag geschneit. Keine dicken Flocken, sondern viele kleine, die sich über Stunden zu riesigen Schneebergen summieren. Der Himmel war grau und bedeckt, die Berge verschwunden.

Trotz miserablen Schlafs auf dem sogenannten “Queen-Size” Bett schaffen wir es irgendwie zum Frühstücksbuffet. Dieses ist ganz ok, wenigstens kein “petit dejeuner” wie in Frankreich. Irgendwie haben es die Waliser geschafft, sich der französischen Sprache zu bemächtigen, ohne dabei von der französischen (Ess)Kultur befleckt zu werden.
Amüsiert beobachten wir zwei Niederländer bei dem Versuch, ihren Audi 80 Avant mit Schneeketten zu bestücken, während ein 3er BMW ohne Schneeketten eine freiwillige und durchaus elegante 180° Kehrtwendung auf dem Dorfplatz macht.
In der Lobby befrage ich kurz das Orakel von Apfel (iPod), wie das Wetter in Zermatt ist: alles gesperrt, Lawinengefahr wegen Neuschnee.
Wir beschließen, dick eingepackt erst einmal einen kleinen Spaziergang zu machen und stapfen tapfer durch den Schnee. Anna versucht vergeblich, Schneemänner zu bauen. Auf meiner Kapuze sammelt sich immer mehr Schnee, auch Anna gleicht immer mehr einer Polarbärin. Nach einer guten Stunde sind wir wieder reichlich durchnässt im Hotel.
Ein, zwei Stunden ruhen wir uns aus, dann rüsten wir uns für die Alpenthermen mit Walisischem Saunadorf.

An der Rezeption lösen wir unseren Gutschein ein und bekommen zwei Kinderarmbänder mit Transponder. Mit dem Fahrstuhl geht es ins zweite Untergeschoss. Umkleiden, Schließfach suchen. Anschließend geht es durch die labyrinthartig angelegten Duschen (sortiert nach Männlein und Weiblein) zur nächsten Rezeption, von wo aus man per Wendeltreppe oder Fahrstuhl in die Thermen gelangt.
Thermen bedeutet in diesem Fall eine nicht allzu große, dafür reichlich gefüllte Schwimmhalle. Mit viel Glück finden wir eine Liege für unsere Sachen. Der Steinfußboden ist eiskalt. Wir gehen ins rund 32° warme Thermalwasser. Nebst vielen planschenden Kindern erspähen wir auch eine Kopftuchtürkin im Taucheranzug...was es nicht so alles gibt.
An einer Seite gibt es ein rundes Becken im Becken, in dem sich viele Leute tummeln. Wir haben einen Whirlpool erwartet, stattdessen gibt es hier nur noch etwas wärmeres Thermalwasser. Wir setzen uns eine Weile dazu. Ich finds langweilig.
Ob wir uns in das Außenbecken trauen?
Anna sagt “ja”, also auf gehts, raus aus dem warmen Becken, über den kalten Fußboden durchs Wasser an die Frischluft. Nebelschwaden steigen aus dem Wasser und beschlagen meine Brille, meine Sichtweite beträgt keine 2 Meter. Überall sind Leute. Das Wasser ist warm, ich spüre, wie Schnee auf meinen Kopf fällt und dort liegen bleibt.
In der Mitte des Beckens ist ebenfalls eine Art Becken im Becken, auch am Rand tummeln sich viele Leute, die mit einem mal wie auf Kommando den Beckenrand verlassen und in unsere Richtung strömen.
Naheliegende Vermutung: da hat jemand Whirlpooldüsen ausgemacht.
Also nichts wie hin, bevor die anderen ziellos hin- und herschwimmenden Gäste auf die Idee kommen, das da was sein könnte. Plötzlich wird das Wasser sehr flach, man kommt auf einer Metallrohrkonstruktion zum liegen, am Rand ist eine bequeme Kopfstütze. Anfangs ist es etwas kühl, aber sobald der Körper wieder unter Wasser ist, liegt man recht kommod...nur die großen Zehen sollte man tunlichst im Wasser lassen, sonst wirds kühl ;-)
Nach einer Weile gehen die Düsen an, und man fühlt sich wie in einer Achterbahn, so wird man durchgeschüttelt. Wir beschließen, so lange durchzuhalten wie die Düsen an sind. Zwischendurch muß mal die Haare ins Wasser tunken, um den Schnee loszuwerden, aber ansonsten läßt es sich aushalten.
Anschließend gehen wir zurück ins Becken im Inneren, um uns aufzuwärmen. Nach einigen Versuchen gelingt es uns sogar, zwei beieinanderstehende Liegen zu ergattern...und da liegen wir erstmal, bis uns langweilig wird und ins Saunadorf ziehen.
Dort gibt es in einer großen Halle eine Art mittelalterliches Dorf, das ein wenig an eine Ortschaft im Spiel Oblivion erinnert, nur ohne Schnee. Es gibt eine ca 45° warme Sauna mit einem sehr imposanten automatischen Aufgußsystem. High-tech im Mittelalter, sozusagen.
Anschließend baden wir im lauwarmen “Dorfbecken”, einer circa 5x2.5m langen flachen Steinbadewanne, wo das Wasser auf einer Seite reintropft und über einen Wasserfall in ein weiteres Becken fließt.
Zum Aufwärmen genehmigen wir uns ein Fußbad und besuchen anschließend das dunkle Dampfbad, das mir aber doch ein wenig zu extrem ist. Wir wiederholen das Abkühlungsritual und lästern über die anderen Badegäste.
Schließlich bekommen wir Hunger und setzen uns an die Bar. Auch einige andere Leute sind auf den gleichen Gedanken gekommen. Nach endlich langer Zeit schließlich kommt die Bademeistern, die wir schon aus dem Serien-Hotelschwimmbecken kannten. Wir interessierten uns für den Waliser Teller, leider konnte sie keine Angaben machen. Nach einer Rücksprache mit der Küche hieß es dann, daß selbige geschlossen sei. Grmpf. Wie üblich ist das Personal bemüht, aber inkompetent. Wir beschränken uns auf eine Apfelschorle mit zwei Gläsern, die wie wir später erfahren sollten doppelt berechnet wurde.
Da wir beide recht fertig und hungrig waren, verlassen wir die Thermen. Am Ausgang gab es Ärger, denn der Automat verweigerte mir den Ausgang, da ich kein Geld mit hatte, um die Schorle zu bezahlen, die ja eigentlich aufs Hotelzimmer berechnet werden sollte. Schließlich werden wir über einen Behinderteneingang rausgelassen und regeln das Problem mit der Rezeption.
Da wir wenig Lust hatten, das Hotel zu verlassen beschlossen wir, uns Essen aufs Zimmer kommen zu lassen. Auch hier konnte uns niemand erklären, was genau auf einen Waliser Teller gehört. Trotzdem haben wir einen bestellt, nebst einem Wiener Schnitzel mit Pommes und zwei Nachtischen.
Eine halbe Stunde später kam ein unhöflicher Kellner und brachte das Essen. Der Walliser Teller bestand hauptsächlich aus Wurst, einem Salatblatt und ein wenig Brot. Das Schnitzel war eindeutig tiefgekühlt, aufgebacken und zwischenzeitlich wieder erkaltet, die Pommes Frites waren dünn, kalt und ungesalzen. Derartig miese Pommes gibts bei McDonalds schon seit den frühen 90ern nicht mehr.
Zumindest der Nachtisch in Form eines Puddings war gut.

