Tag 2: Von Stuttgart nach Leukerbad

Nach einigermaßen erholsamen Nacht im Ibis Hotel in Stuttgart machten wir erstmal eine kleine Tour durch die Stadt. Das Wetter war kalt und sonnig, sprich: ein wunderbarer Wintertag wie er besser nicht sein könnte!

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Über gewundene Straßen ging es einen Hügel hinauf, auf dem man einen hervorragenden Blick auf die Stadt hatte. Hier war die Mercedes-Dichte auch ein wenig größer, sogar einen Porsche Panamera habe ich kurz gesehen, während der Verkehr in der übrigen Stadt nicht unbedingt darauf schließen läßt, daß Stuttgart die Heimat von Mercedes und Porsche ist...ganz im Gegensatz zu München, wo überproportional viele BMW das Stadtbild prägen.


Langsam rollten wir auf die Autobahn Richtung Süden. Mein Ziel, es mit einer Tankfüllung in die Schweiz zu schaffen ging leider nicht auf, also für 40€ tanken und auf den herrlichen neuen Autobahnen nach Herzenslust Gas geben. Man merkt, wie gut es dem V12 tut, mal wieder ein bisschen höher zu drehen, er zieht durch, daß es eine Freude ist, und in null komma nichts hat man die 200er Marke überschritten. Da hat selbst ein neuer Jaguar XJ8 keine Chance, auch wenn es rund 100km gedauert hat, bis er seine Unterlegenheit anerkannte...lol.

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Es ist erstaunlich, wie angenehm sich dieser bald 12 Jahre alte Wagen schnell fahren läßt. Lustig war der Versuch von Anna, an einer Tankstelle die Motorhaube mit dem Scheibenwasser zu reinigen - anschließend sah die Haube noch viel dreckiger aus. Frust. Aber an der ersten Tankstelle in Basel hab ich das mit einem anderen Eimer Waschwasser wieder ein wenig ausgebügelt.


Apropos Basel: es scheint, daß die Schweizer ein Talent dafür haben, ihre schöne Landschaft (von Bergen möchte ich hier noch nicht sprechen) mit häßlichen Bauwerken zu verschandeln. Bern war nicht ganz so schlimm, aber in jeder kleineren oder größeren Stadt schien es Industriebrachen, Hochhäuser mit Sozialwohnungen oder Schrottplätze zu geben, die das Stadtbild prägen.


Wirklich gebirgig ist die Nordschweiz nicht wirklich, zumindest nicht Richtung Westen. Wir fuhren über Friburg Richtung Genfer See um die Gebirge drumherum, ein Großteil der Strecke bestand aus einer Hochebene in 500m Höhe. Ab Friburg fing offenbar der französische Teil der Schweiz an, jedenfalls waren die Ausfahrten alle mit “Sortir” gekennzeichnet. 

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Der Genfer See wiederum war so schön, daß wir von der Autobahn abfuhren und einige Bilder machten, es war ein wirklich einmaliges Panorama. Aber leider fehlten auch hier die Betonklötze nicht. Insgesamt wirkte der Ort sehr französisch, es gab sehr viele (Schweizer!) Touristen, die an der Promenade spazierten, und leider viel zu wenige Parkplätze. 

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Also zurück zur Autobahn. Die schweizerischen Autobahnen sind allesamt frei und sehr gut ausgebaut. Umso geringer mein Verständnis für die Limitierung auf 120 km/h, an die wir uns aufgrund zahlreicher Radarfallen und drakonischer Strafen auch akribisch hielten. Man hätte problemlos auch 180 fahren können. Das einzig Erfreuliche war der geringe Durchschnittsverbrauch von 9,5l auf 100km, und der billige Sprit. 


Die letzten 150km wurden sehr lang und sehr weilig, auch an den schönsten Bergen hat man sich irgendwann sattgesehen, der Verkehr wurde immer weniger. Irgendwann war die Autobahn zuende, und es ging über Landstraßen weiter. Am Ende ging es über Serpentienen in die Höhe, Leukerbad liegt bei 1650m über dem Meer. Hier gibt es richtig Schnee, gottseidank, die Temperaturen lagen bei -5° Celsius. 

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Der Ort war zunächst sehr unübersichtlich, wenige Autos, kleine Schilder, viele Fußgänger. Später erfuhren wir, daß das Parken im gesamten Ort verboten ist. Die Schweizer müssen Autos ECHT hassen. 

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Nach einigem Hin- und Her haben wir das Hotel gefunden. Erstmal davor geparkt, einchecken. Die Hotelhalle war recht schick, der Praktikant sehr freundlich. Zimmer 203 im Nebengebäude de France aus dem Jahre 1845. 

Ein uralter Fahrstuhl brachte uns in den Keller, mit dem Gepäck half uns ein Herr Niemand, also keiner. Durch - sagen wir mal unglamoröse - Gänge ging es zu einem weiteren Fahrstuhl, dieser beförderte uns doch eine Glasröhre ins erste Geschoss, wo wir einen weiteren nicht sehr vertraunserweckenden Fahrstuhl betraten um schließlich in die dunkle Ecke zu gelangen, in der unser Zimmer lag. 

Selbiges war wiederum sehr unglamorös, die Möbel schienen aus dem Sperrmüll zu bestehen, den man vor 20 Jahren in der DDR entsorgt hatte. Der Fernseher stammte aus dem letzten Jahrhundert, das Bad aus den späten 70er Jahren. Das Bett war bestenfalls Queensize, ein Sessel wies ein Brandloch auf. Fehlt nur noch das Bild von Erich Honecker über dem Schreibtisch.

In vielen Details merkt man, daß die Schweiz kein EU Land ist. So sind zum Beispiel die Steckdosen noch wie aus Urgroßmutters Zeiten und ähnlich gefährlich wie die amerikanischen. Auch in den Fahrstühlen fehlt die übliche Plakette mit dem Baujahr und den Datum der letzten Überprüfung. 

Eine 4 Sterne Unterkunft für immerhin 200€ die Nacht hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt, da war selbst das 2 Sterne Zimmer im Ibis Hotel, das nichtmal ein Drittel kostete, deutlich besser. Wenigstens war das Zimmer sauber.

Ich bemühte mich um ein besseres Zimmer im Haupthaus, aber leider konnte man mir nur eines im Rauchertrakt anbieten...na danke. Also zähneknirschend das restliche Gepäck in die 203 geschafft, ebenso zähneknirschend die Autoschlüssel abgegeben. 

Der Praktikant bestätigte, das das Buffet im Hotel happige 37€ pro Person kosten sollte, na danke. Hunger hatten wir beide nur wenig, also begaben wir uns auf einen Spaziergang durch das Dorf. Die Restaurant waren alle sehr teuer, schließlich kamen wir in einem kleineren Betrieb mit angeschlossenem Appartmenthotel ein sehr leckeres Entrocote zu einem fairen Preis, dazu schönen Wein. 

Morgen wollen wir uns erstmal den Ort und den Wellnessbereich des Hotels näher ansehen, hoffen wir, daß er besser ist als das Zimmer. 


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