Um 2 Uhr morgens wachen wir auf: Laute Stimmen reißen uns aus dem Schlaf. Sie gehören zu Leuten, die vorm Eingang stehen und rauchen. Ein kurzer Anruf bei der Rezeption erledigt das Problem, offenbar gehören die Leute zum Personal.
Kurz vor 9 wachen wir auf, der Schlaf war bestenfalls mittelprächtig, aber immer noch um Klassen besser als in Leukerbad. Kurz vor 10 sind wir beim Frühstück im Container: oder genaugenommen dem, was vom Frühstück übrig ist. Gnädigerwiese dürfen wir uns etwas von den Resten auf Teller laden und in Ruhe essen. Dafür ist das Essen gratis. Auch nicht schlecht, 30 CHF gespart.

Wir packen die Koffer und fahren los, Richtung See. Was mir am Verkehr auffällt ist, daß es keine 7er BMW der Baureihe E65 gibt. Jede Menge Mercedes S-Klassen, teils auch mit Chauffeur und nie mit der kleinsten Motorisierung, viele gepimpte Kleinwagen mit Ofenrohrauspuff, zahlreiche Porsche 911 und Cayenne, Audi S4, S6, S8, viele Amis und natürlich SUV allerorten.
Der See wirkt auf den ersten Blick recht lebendig, ein bisschen so, wie wenn man an einem Ostseehafen kommt. Wir fahren beeindruckt am Ufer entlang.

Nach einer Weile finden wir einen etwas Parkplatz am See auf Höhe des Kaffeemuseums. Die Parkgebühren sind sehr fair, 2€ für mehrere Stunden. Im Sommer dürfte es unmöglich sein, hier einen Parkplatz zu bekommen.


Am See ist es windig. Ein paar elegant gekleidete Leute gehen mit ihren Hunden spazieren, sonst ist nicht viel los, die Boote sind vertäut, die Restaurants geschlossen.

Es ist sehr windig, trotzdem spazieren wir über eine Stunde am See entlang, vorbei an eleganten Hotels der teuersten Kategorie und anderen reich geschmückten Bauten. Anna begeistert sich für die Schwäne und die komischen Enten mit den roten Borstenfrisuren, die wir noch nie vorher gesehen hatten:



An einer Ecke tollten zwei kleine Hunde herum...einer von beiden versuchte sich anschließend dabei, Schwäne zu jagen. Die Schwäne wiederum schwommen einen Meter aufs Wasser und schauten den Hund mit einer Miene an, als wäre er eine Art Zirkusattraktion.

Wir gehen Richtung Stadt, fast bis zur ersten Brücke, und drehen anschließend um, zum Auto zurück. Ein Fehler, wie wir später merken sollten:
Wir wären nämlich fast in der Stadt gewesen, nun müssen wir mühsam ein Parkhaus finden.




Schließlich werden wir im Parkhaus Gersterallee fündig. Noch schnell ein Bild vom Parkplatz machen, damit wir später unser Auto wieder finden, und auf ins Getümmel.
Die Karte am Parkautomaten erweist sich als recht hilfreich, trotzdem brauchen wir einige Minuten bis wir die ungefähre Richtung haben.

Manche Kreuzungen in Zürich sind doch recht unübersichtlich, vor allem, wenn sie in fünf oder sechs Richtungen gehen und einem mittendrin blaue Straßenbahnen bestenfalls die Sicht versperren oder einen gleich ganz überfahren. Radfahrer in Hannovers Innenstadt verhalten sich vergleichsweise umsichtig und rücksichtsvoll.


Wie gesagt, die Straßenbahnen sind eine Pest. Die Züricher selber sehen das vermutlich ein wenig anders.

Zunächst gehen wir zum Löwenplatz, an McDonalds vorbei Richtung Bahnhof und dann die Bahnhofsstraße entlang. Die Bahnhofsstraße ist DIE Einkaufsstraße in der Schweiz, hier ist alles vertreten, was nicht zwangsläufig gut, aber auf jeden Fall sehr teuer ist.
In der Hauptfiliale von Breitling erweckt ein Bentley 1:18 Modell im Fenster meine Aufmerksamkeit...die Uhren find ich weniger interessant.
Überhaupt, wofür braucht man heutzutage noch eine Armbanduhr...außer zum Angeben? Selbst wenn ich eine hätte würde ich aus Gewohnheit meinen iPod befragen...oder Anna, die immer ihr Handy dabei hat. Oder einen Passanten fragen, der mir wohl sagen würde, ich solle doch selber auf meine Angeberuhr gucken, oder sei die Rolex/Cartier/Omega/was weiß ich etwa stehen geblieben?
Never mind.
Besonders ans Herz gelegt wurde dem werten Leser eines Reiseführers ein Besuch in der Augustinergasse:

Zugegebenermaßen: im Vergleich zur Bahnhofsstraße wirkt sie urig, aber wer die Altstadt von Goslar kennt wird kaum beeindruckt sind.

Es gibt zwar einige Geschäfte, aber keines davon ist für Touristen intressant.

Am Ende wartet nur noch ein einsamer Porsche turbo:

Wir laufen weiter um die Ecke und schließlich stehen wir vor der Kirche des Heiligen St. Peter, die laut Reiseführer die Kirchenuhr mit den größten Ziffernblätter sein soll. Ob es wirklich die größten sind, können wir nicht bestätigen, sie sind aber auf jeden Fall verdammt groß!

Sehenswürdigkeit abgehackt. Gehe zurück in die Bahnhofsstraße.
Nicht über Los, wohlgemerkt. Die Banken sind Pleite, und ihr Bankgeheimnis haben die Schweizer ebenfalls am gestrigen Tage an die Amis verkauft. Man munkelt, daß angeblich sollen sogar die Reichen jetzt Steuern zahlen müssen.

Was ich in Zürich wirklich vermisse sind die vielen Cafehäuser, die es beispielsweise in Wien an jeder Straßenecke gibt.
Zurück auf der Bahnhofsstraße gehen wir erstmal in ein Starbucks Cafe, verschnaufen. Ich esse einen recht trockenen Lachsbagel, Anna entschied sich für einen Schokoladenkuchen, der genauso tödlich schmeckt wie er aussieht. Nichteinmal mit vereinten Kräften gelingt es uns, die Kalorienbombe zu vernichten. Dazu natürlich den unvermeidlichen Starbucks Coffee.
Wieder bei Kräften schaun wir uns erst einmal den Paradeplatz an. Ursprünglich war hier der Züricher Umflutgraben, den man aber vor rund 150 Jahren zugeschüttet hat.
Hier gibt es zum Beispiel das Savoy Hotel Baur en Ville, sehr zentral gelegen, durchaus schick anzusehen und sicher eine der teureren Möglichkeiten, in Zürich zu übernachten, wenn es auch sicher eher den Bedürfnissen von Straßenbahnfahrern entgegenkommt, per Auto ist es nämlich nur schwer zu erreichen.


Direkt gegenüber liegt das Herzstück der schweizerischen Bankenkrise, das Stadtschloss der Credit Suisse:

Ob die auch alle mit der Straßenbahn kommen?
Hier noch einmal der Blick vom Paradeplatz Richtung Bahnhof:

Es gibt aber auch erfreuliche Geschäfte am Paradeplatz, wie zum Beispiel das Weltbrühmte Cafe Sprüngli, und da gehen wir jetzt hinein, wir brauchen nämlich noch Mitbringsel für die daheimgebliebenen, denen die Segnungen eines Wellnesshotels erspart geblieben sind:


Hier drinen fällt die Wahl schwer. Der Reiseführer empfiehlt die "Box Number One", eine Schachtel mit der ersten Kreation von Sprüngli. Nach langem Überlegen entschließen wir uns, meinen Eltern eine "Box Number One" mitzubringen, Annas Mom eine Metallschachtel, deren Name mir leider entfallen ist, ein paar Tafeln Schokolade für die übrige Verwandschaft sowie eine große Schachtel "Top Ten" für uns selber, die jeweils zwei Exemplare der 10 beliebtesten Kreationen des Hauses beinhaltet.


Ich kann mich nicht erinnern, jemals zuvor dermaßen viel Geld für Schokolade ausgegeben zu haben, aber wie oft ist man im besten Schweizer Schokoladengeschäft, gell?
Da man vom Paradeplatz aus schon den See sehen kann entschließen wir uns, die Route ein wenig zu variieren. Wir kommen an einer schmucken Filiale von Anderson Consulting (kannte ich nicht mal jemanden, der dort unbedingt arbeiten wollte?) vorbei und gelangen schließlich zum Züricher See.
Die Fassaden in diesem Viertel sind teilweise wirklich sehenswert:


Und der Blick über den Fluß/See aufs andere Ufer natürlich auch:


Wofür der riesengroße rosafarbene Pudel wirbt, weiß ich nicht mehr, aber er hat auf jedenfall einen gewissen Kultfaktor:

Schließlich kommen wir zu einer Brücke, die ans andere Ufer führt. Dort steht eine Kirche mit zwei Türmen, die Anna gerne näher betrachten möchte.

Das ist die Kirche, Großmünster heißt sie, wenn ich mich nicht irre.

Denkmäler von Leuten, die auf Pferden sitzen, gibts natürlich auch:

Ob sie in 100 Jahren Denkmälern von Bankern in ihren Porsche Cayennes bauen werden? Wär doch mal mal ein Gedanke ;-)
Kennt ihr die Kirche mit der großen Uhr? ;-)


Von nahem wirkt die Kirche jetzt nicht sooo beeindruckend:

Das andere Ufer hingegen schon :-):



In der Ecke gibt es auch ein tolls Musikgeschäft, daß nicht nur CDs und Flügel, sondern auch richtig schöne Radios hat...nicht ganz so teuer wie Burmester, aber schon recht happig.
Langsam wird es spät, wir müssen umkehren.


Erst gegen 16:00 verlassen wir das Parkhaus. Durch den dichten Feierabendverkehr quälen wir uns Richtung Autobahn und schleichen zur Grenze. An der letzten Tanke vor der Grenze wird getankt.
Und wer glaubt, in Baden Würtemberg endlich mal wieder Vollgas geben zu können, wird enttäuscht sein: auf der am Sonntag noch so leeren Autobahn herrscht dichter Verkehr, dazu ist es dunkel und es fällt Schneeregen. Wir kommen noch langsamer vorran als in der Schweiz.
Abendessen bei McDuff, die Stunden vergehen. Erst vor Kassel geht es etwas schneller vorran, aber schon bald stehen wir im Stau. Zumindest die Karnevalsmusik bei Radio FFH stimmt ein wenig fröhlicher, und die Aussicht, heute im eigenen Bett schlafen zu können.
Gegen 1 Uhr morgens sind wir wieder daheim in Lehrte. Ich beantworte noch die Emails von einigen Kunden und falle müde ins Bett.
