Nach einer weiteren Nacht mit wenig Schlaf und vielen Rückenschmerzen sind wir beide mit unseren Nerven reichlich am Ende. Um 8 weckt uns eine unerwünschte Werbe-SMS von einem Optiker. In dem Laden kaufen wir jedenfalls nichts mehr, nie wieder.

Um 9:30 kommt Frühstück, diesmal sogar mit Lachs, Rührei und frischem Obst. Wenigtens etwas. Ich habe kaum Hunger, Anna beschließt, sich aus Frust vollzufressen.
Anschließend legen wir uns beide nochmal ein wenig hin. Bis wir um kurz vor 11 senkrecht im Bett sitzen: Ein Spielmannszug vom örtlichen Karnevalsverein beschließt, ausgerecht vor unserem Hotel eine Versammlung abzuhalten. Der Lärm ist ohrenbetäubend, selbst durch das geschlossene Fenster.

Ich HASSE Karneval. Anna auch.
Wir überlegen, ob wir nicht doch der Qual ein Ende bereiten und nach Hause fahren sollten. Das einzige, was uns ein wenig davon abhält, ist Annas Einwand, daß man dann mit einem sehr schlechten Gefühl nach Hause fährt, und da hat sie nicht ganz unrecht.
Schade, daß das Ei hart ist, sonst könnte man damit werfen. Bloß gut, daß wir nicht das Raucherzimmer mit Dorfblick genommen haben, da wäre der Lärm noch größer. Scheiß-Jecken. Fuck Switzerland.
Free speech, free speech - for the dumb! Free fucking speech!
Ich mach aus Langeweile den Fernseher an während Anna duscht.

Lindner Hotels. Nicht nur besser. Sondern anders.
Besser? Als was? Ein Knastaufenthalt?
Die Werbebrochüren sind der blanke Hohn.
Wir beschließen, unsere Zelte vorzeitig abzubrechen und nach Zürich zu fahren. Nach langen Verhandlungen mit der Rezeption bekomme ich immerhin die letzte Nacht und die Parkgebühren erstattet. Wenigstens etwas. Vielleicht hätte das Hotel das Geld lieber mal in eine gute Matratze investiert. Nächstes Jahr stehen Renovierungen an, tja, nett, nutzt uns im Moment auch nichts.
Ein Portier hilft beim Beladen das Autos, unter den Augen der johlenden Meute. Ein kleiner Junge bespritzt unser Gepäck fröhlich mit einer Flüssigkeit, hoffen wir, daß es sich um Wasser handelt. Gegen 15:30 fahren wir los. Ich schalte das DSC aus und versuche, das Karnevalsvolk mit ein bisschen durch die Luft fliegendem Schneematsch zu erfreuen, was mir leider misslingt. Never mind.
Hauptsache frei und vier Räder unterm Hintern!




Das Wetter ist schön, wir beschließen, über den Grimselpaß zu fahren. Erstmal geht es Richtung Brig, wir verfranzen uns ein paarmal, und stellen schließlich fest, daß der Paß gesperrt ist (Anna hat aufgepasst!). Also umdrehen und nach Goppenstein fahren, zur Bahnverklappung.


Wir fahren wir über Paßstraßen zum Bahnhof. Meine VISA wird gottseidank akzeptiert. Erst warten wir ein Weilchen auf den Zug, pellen uns eines der Frühstückseier und teilen uns das verbliebene belegte Brötchen vom Frühstück.

Schließlich geht es los, wir fahren auf den Zug, halten irgendwo an. Automatik auf P, Handbremse, Innenbeleuchtung. Der Zug setzt sich langsam in Bewegung und verschwindet schon bald in einem Tunnel. Wir machen es uns gemütlich, Wasser tropft von der Decke aufs Auto. Ich programmier das TomTom Navi auf ein zufällig ausgewähltes Ibis in Zürich.

Nach 15 Minuten Fahrzeit sind wir aus dem Tunnel raus, der Zug hält, und weiter gehts. Wir erleben einen wunderschönen Sonnenuntergang, die Gletscher erstrahlen in Gold, ein Wintertraum, wie es sein sollte.




Wir rollen über Landstraßen dahin, schließlich fängt die Autobahn an, inzwischen ist es dunkel.
"On a lone and longsome highway, east of Omaha....".
Bald sind wir in Zürich. Hier ist einiges los, es gibt mehr große Autos und eine große Anzahl von Pontiac Vans. Das Hotel ist schnell gefunden, es ist auch ein Zimmer frei, nur leider gibt es keinen Parkplatz.
Wir beschließen, es im Ibis am Flughafen zu versuchen. Hier gibt es Parkplatz und Zimmer, außerdem ist es deutlich weniger verraucht, wenn auch ein klein wenig teurer, da zur Zeit eine Motorrad & Tuning Messe statt findet (was auch die vielen Renntransporter auf dem Parkplatz erklärt).
Wir essen einen kleinen Salat, Anna hat Ravioli, ich esse Cordon Bleu mit Pommes, die viel viel besser sind als im Sacre Bon. Das Restaurant ist provisorich in einem Container untergebracht, aber im großen und ganzen ganz lustig.
Das Bett ist ebenfalls viel besser als in Leukerbad, um 22:30 liegen wir in der Falle.
