Tag 5: Formentor

Nach dem gestrigen Wellnesstag wollen wir heute mal wieder etwas erleben. Wir ertragen das übliche Frühstück. Ich stelle fest, daß das Brot deutlich weicher ist, wenn man es selber schneidet, statt eine der fertig geschnittenen Scheiben zu nehmen.

Anschließend gehts wieder hoch. Karte ins Schloss gesteckt...geht nicht. Nochmal. Geht nicht. Alter, hier kommst du net rein. Gegen die Konsequenz dieses Schließsystems kommt kein türkischer Türsteher an. Also runter zur Rezeption.

DSC_0009

Im Fahrstuhl treffen wir auf eine ältere Dame, die von der Tür fast zerquetscht wurden wäre.

Ich: „O weia, da haben sie ja Glück, nichts passiert? Eines der vielen Ärgernisse in diesem Hotel. (seufz)“ 

Sie: „Geht schon. Welche Ärgernisse? Ist doch sehr schön hier.“

Ich: „Ja, prinzipiell schon, sind nur viele Kleinigkeiten. Bei uns ist zum Beispiel das Schloß defekt, und dieses Betonambiente“.

Sie: „Ach, das ist doch nicht so schlimm. Mir gefällts. Die schöne Animation, und das Buffet ist doch herrlich, und der Japaner war auch ganz toll“.

Ich (Mund offen): „Oh, ja, der Japaner war wirklich gut. Aber das Buffet? Bahnhofshalle. Eines der wenigen Buffets, in denen ich hungrig wieder aufstehe.“

Sie schaut mich an wie von einem anderen Stern. Die Tür geht auf. „Ja...mir schmeckt alles sehr gut. Ich wünsch Ihnen dann noch einen schönen Tag“.

Danke gleichfalls.

Die Schlüsselarie erledigt sich relativ schnell, wir müssen nur ca 1 Minute auf den Handyman warten, der die Batterien in unserem Schloß austauscht.

Dann kanns ja losgehen.

Nicht so schnell. Am Auto angekommen, stellen wir fest, das es total versifft ist...und ich meine damit: total eingesaut mit Meeresgischt! Man kann nicht reingucken...oder rausgucken. Als hätte die Karre zwei Jahren unterm Baum gestanden. Dank Scheibenwaschanlage kann man wenigstens nach vorne raussehen, die Scheiben versenken wir. Anna besteht trotzdem auf eine Wagenwäsche.

Schön. Nächste Tanke aufgesucht. Ich hab noch nie bei ner Tanke die Waschanlage benutzt. Schon gar nicht auf Spanisch. Hinter der Tanke gibt es: 1 Waschanlage. Und drei Waschboxen, in die man einen einen Euro reinschmeißen kann. Ich habe Angst, mich mit dem Hochdruckreiniger einzusauen, aber Anna entdeckt eine Schlauchbürste.

Ok. Euro reingeschmissen und den ersten aus einer Reihe von Knöpfen gedrückt, in der Hoffnung, daß es sich im die Vorwäsche handelt. Es kommt seifenhaltiges Wasser raus, mit dem ich die Karre abspüle. Ist schon eine Verbesserung. Der nächste Knopf liefert richtig heißes Wasser. Die anderen Knöpfe auch. Spanisch müßte man können. Oder die Geduld haben, alles nachzuschlagen.

Hab ich nicht. Stattdessen entdeckt ich eine richtig dicke Macke an der hinteren Stoßstange. Tiefe Kratzer, bis runter aufs Plastik. Bin ich irgendwo angestoßen? Hätt ich doch gemerkt. Egal, hab Vollkasko ohne SB und werd mir davon nicht den Urlaub verderben lassen.

Wir können die Welt wieder aus dem Autofenster sehen, also ab nach Arta, die Photosession von unserem ersten Ausflug wiederholen, weil die Handybilder in QVGA Auflösung nicht zu gebrauchen sind.

Im Gegensatz zum ersten Besuch finden wir sofort nach oben und auch gleich einen Parkplatz. Das Wetter ist deutlich besser als beim ersten mal, aber es ist sehr windig, so daß Anna die Haare fliegen...und den Palmen auch :-)

DSC_0076

Die Bilder sind schnell gemacht, wir schaun uns noch die Höhlen an, die aber nicht wirklich beeindruckend sind. Es stinkt, irgendjemand verbrennt Müll, und wir können das Feuer sogar von oben sehen. Die Fahrt nach Betlem sparen wir uns, ich will noch nach Formentor, also ab auf die MA-12 Richtung Port d’Alcudia.

Zwischendurch fahren wir durch Can Picafort, welches sich als ein leicht amerikanisch angehauchter Ferienort mit breiter Hauptstraße und Bürgerking entpuppt, ein bisschen eine Mischung aus Fort Meyers und Timmendorfer Strand.

Anschließend passieren wir einen schmalen Strandabschnitt mit einem sehr lebhaften Wellengang, auf dem zahlreiche Surfer und Paraglider ihr Unwesen treiben.

In Port d’Alcudia ärgern wir uns über die bescheidene Verkehrsführung, bei der wir mitten im Ort in ein Wohngebiet geleitet werden und nur mühsam wieder hinausfinden. Schließlich ist auch diese Hürde gemeistert und stehen plötzlich vor einem Berg.

Und was machen wir, wenn wir plötzlich vor nem Berg stehen?

Richtig, wir fahren drauf! Ziemlich schnell kommen wir an einen belebten Parkplatz. Frei nach dem Motto “wo viele Leute sind gibts entweder ein Klo oder was zu sehen” rutschen wir in eine gerade freiwerdende Parklücke. Camera schnappen, aussteigen, schauen. Klöchen gibts keines, aber Stufen, ein Denkmal - und eine der wohl spektakulärsten Aussichten, die wir je gesehen haben!

DSC_0198

Punta de la Nao. Ein atemberaubender Weg....

DSC_0208

...der zu einer noch besseren Aussicht führt!DSC_0201

Blick zurück nach Port d’Alcudia

Alles schön und gut, aber irgendwie nutzlos, wenn einen ein menschliches Bedürfnis plagt. Angeblich gibt es irgendwo einen Leuchtturm mit Cafeteria und sonstiger “touristischer Infrastruktur”. Oder doch lieber zurück zu Burger King?

Wir entscheiden uns für die risikobehaftetere Variante und heizen die Serpentienen entlang. Kuppeln, Schalten, Gas, Bremsen, Kurve, Kuppeln, Schalten, rrrrrrmmmm. Wenn schon keine Automatik dann wenigstens Diesel, welch ein Glück! Wem im Auto schlecht wird sollte um diese Gegend einen sehr weiten Bogen machen, alle anderen werden auf diesem Terrain ihren Spaß haben, insbesondere in einem Smart Brabus Roadster oder einem Mini Cooper S, vorzugsweise mit Works Tuning.

DSC_0220

Wir fahren durch einige Wälder, hier sind die Straßen gerade und man kann (nicht zu verwechseln mir darf!) sogar mal schneller als 80 fahren.

Und plötzlich sehen wir ihn, den Leuchtturm!

DSC_0230

Nur noch ein paar Serpentinen....

Auch hier erleben wir das Glück eines freien und legalen Parkplatzes. Also nichts wie ab aufs Klo. In der Cafeteria werden wir nach einigem Suchen fündig und beschließen, uns zur Feier des Aufstiegs jeder einen ganzen Donaught und eine Dose der teuersten Cola der Welt zu gönnen :-)

DSC_0245

DSC_0242

DSC_0252

Coke-Cola rulez!

Herrlich! Der Blick ist ebenfalls einzigartig, der Leuchtturm hingegen sieht aus, als hätte man das Original weggesprengt und einen aus der DDR auf den klassischen Sockel gesetzt. Na ja, man muß ja nicht auf den Leuchtturm gucken, der dient eh nur der Wegfindung.

DSC_0261

Jau, der BMW ganz links ist unserer! Tolle Aussicht, gell?

DSC_0269

DSC_0279

DSC_0281

Hätt ich Red Bull getrunken könnt ich jetzt fliegen!

DSC_0304

Sieht das Meer nicht irre aus?

DSC_0267

Miezekatzen gabs auch!

Irgendwann ist die Cola ausgetrunken und jede Aussicht mindestens vierzigmal fotografiert, also schlendern wir langsam über die Parkplatzsuchenden feixend zum Auto zurück. Ausparken wird lustig, aufgrund des vielen Verkehrs bleibt mir nichts anderes übrig, als auf der schmalen Straße zwischen Felswand und Abgrund zu wenden, was wir schließlich auch schaffen. Ein Audi A8 will sich in die Lücke quetschen, wie mag der wohl hierher gekommen sein?

Langsam fahren wir zurück und halten unterwegs an jeder Photo Opportunity an, jede ausgeschildert und mit kleinem Parkplatz. 

DSC_0376

Nicht ganz die Lone Cypress, aber nahe dran.

DSC_0384

Sitzt du bequem?

DSC_0368

Es geht abwääääääääärts!

DSC_0364

Wie geil, ein Bock!

Noch weitere Impressionen:

DSC_0323

DSC_0324

DSC_0395

DSC_0397

DSC_0398

DSC_0403

Schließlich kommen wir wieder am Parkplatz von vorher an, und diesmal lassen wir uns reichlich Zeit. 

DSC_0428

DSC_0427

DSC_0432

Langsam wird es dunkel, und wir haben Hunger. Schließlich sind wir auf vielen Felsen herumgeklettert. Unser bewährter Reiseführer empfiehlt ein Restaurant, welches eine Halbinsel weiter südlich liegt, das Restaurant Mirador de la Victoria.

Wir machen uns auf den Weg, die Fahrt ist traumhaft, die Farben herrlich.

DSC_0438

DSC_0440

DSC_0442

Wieder geht es über einige Serpentinen, der Weg scheint nur für das Restaurant und ein ehemaligen Kloster gebaut zu sein. Auch wenn das Navi versagt ist das Restaurant schnell gefunden, man muß nur immer der Küste entlang geradeaus fahren und landet irgendwann auf einem sehr holprigen unbefestigten Parkplatz. Hier sinds es nur noch einige Schritte an einem Hostel vorbei, und man ist da.

DSC_0443

Der Eingang zum Restaurant.

DSC_0450

Traumhafter Blick über die Bucht auf die Halbinsel Formentor

Wir sitzen auf einer großen Terasse mit einem herrlichen Blick über die Bucht.

Der Reiseführer lobt vor allem die Aussicht, ich hingegen finde auch das Essen ganz vorzüglich, auch wenn Avocado mit Shrimps und gefüllte Aubergine sicher eher meinen als Annas Geschmack treffen. Die Speisekarte ist u.a. auch auf Mallorcinisch abgefasst.

Kann man einen Urlaubstag sehr viel schöner abschließen? Ich glaube kaum. :-)



Copyright (c) 2009 by 4OfficeAutomation, Inc