DitudelüttdüüTÜÜÜÜÜ! Scheiß-Handy-Wecker. Gähn. Dazu ertönt ein furchtbares Knartschen aus dem Nebenzimmer. Verschieben die etwa Möbel? Ey! Arrg! Verdammt. Ich schäle mich aus dem Bett. Anna wacht auch nur mühsam auf. Draußen regnet und stürmt es.
Die morgendliche Routine, incl. hetzen zum Frühstücksbuffet. Warten auf den Fahrstuhl. Idiotisch. Wir wohnen im 2. Stock, und trotzdem müssen wir den Fahrstuhl nehmen, der ewig braucht. Während wir auf den Fahrstuhl warten sinnieren wir über das Gebäude. Es erinnert ein bisschen an eine Mischung von Affenfelsen und Blofeld-Geheimzentrale. Viel Beton, rote Wände. Und dunkel ist es. Die Beleuchtung der Gänge ist nur teilweise eingeschaltet. Von den Geländern hängen Kletterpflanzen, die bis in die Lobby reichen, also im Extremfall geht es 6 Stockwerke in die Tiefe.


Irgendwann kommt der Fahrstuhl. Das Frühstück muß ich nicht noch einmal kommentieren.
Es ist immer noch dunkel. Kinder laufen durchs Hotel und langweilen sich. Für die senilen Alten gibts Bingo-Animation. Einige Leute trotzen dem Wetter und gehen an den Strnad.
Was macht man an so einem Tag? Zunächst die tägliche Fron: Email checken. Börse: gefallen (inkl. Euro, Bäh!). Wetter: bescheiden.

Und dann? Regenschirm einpacken, und auf nach Palma! Statt mich aufs Navi zu verlassen folge ich lieber den Schildern. Endlich sehen wir die Landschaft, durch die wir bisher nur bei Nacht gefahren sind, mal bei Tageslicht. Sie hat durchaus ihre Reize. Die Straßen sind wirklich nagelneu, die Fahrt very smooth. Nur die Kreisverkehre nerven. Dafür gibts bis Palma nicht eine einzige Ampel. Nach etwas über einer Stunde kommen wir in der Hauptstadt an, und Kurven erstmal ein wenig rum. Der Verkehr dort ist ziemlich heftig.


An der Ampel lernen wir eine weitere Eigenart des 1er BMWs kennen: die Start-Stop-Automatik. Sobald man im Stand den Leerlauf einlegt und die Kupplung losläßt, geht der Motor aus. Und wenn man sie wieder drückt, geht er wieder an. Soll sprit sparen. Und nach 3 Minuten geht er idiotischerweise von selbst wieder an. Vermutlich damit Leute, die das System nicht kapiert haben, nicht vollends in Panik geraten. Praktisch ists auch, wenn man die Kiste mal abwürgt, geht quasi von selbst wieder an. Ein ideales Fahrschulauto.

Wir fahren in Richtung der mit zahlreichen Schildern ausgezeichneten Sehenswürdigkeiten und kommen am Wasser an. Hier haben wir einen sehr schönen Blick auf die Altstadt, den wir dank Staus auch lange genießen können. Ein bisschen Sorgen macht uns das leicht durchwachsende Wetter.
Nach einigem Hin- und Herfahren wenden wir uns an den Reiseführer, um ein Parkhaus zu finden. Das empfohlene Parkhaus "Parc de la Mar" ist leider voll, aber im Placa Major haben wir Glück. Wie überall ist es auch hier verdammt eng, aber wir finden einen Platz. Fotos machen, damit wir den Parkplatz auch wieder finden, und ab Richtung Ausgang.

Irritierenderweise geht’s beim ausgehen nach Oben in eine Mall mit allerlei Läden. U.a. gibt es ein Schaufenster mit riesigen Fernsteuerautos…Hummer in 1:8, sogar ein Ferrari Enzo in 1:5. Ob der schnell ist?. Wir beschließen, als erstes ein stilles Örtchen aufzusuchen und anschließend eine Strandtasche zu kaufen. Und werden für 5€ schnell fündig. Blau-weiß gestreift, maritimer Look.
Anna hat ein paar Schuhe zum wechseln im Auto vergessen, also stratz ich los und hol sie - eine gute Gelegenheit, um zu überprüfen, ob ich das Auto auch wieder finde. Nach einigem hin- und her finde ich es im 2. Stock. Puh. Ist das schwül.
Nichts wie raus aus der Mall. Das Wetter klart sich auf. Der Plan ist, Richtung Wasser zu laufen, um sich die Kathedrale La Seu und die Almudaina anzusehen. Guter Plan. Anna eilt zunächst von einem Schuhgeschäft zum anderen und stellt begeistert fest, daß Westernstiefel hierzulande wieder "in" sind.
Die Altstadt ist recht hübsch. Es gibt viele Blumen, die meisten Gebäude wirken gepflegt. Es erinnert ein wenig an Salzburg.


Ich versuche, einigermaßen den Überblick über die vielen kleinen Gassen der Altstadt zu behalten, wenn auch mit sehr mäßigem Erfolg. Irgendwann zwischen zwei Schuhgeschäften muß ich zugeben, dass ich keine Ahnung habe, wo wir uns befinden. Nach 10 Minuten Kartenstudium und vergeblichem befragen des Navis beschließen wir, erstmal irgendwo hin zu gehen….und kommen am Placa Major an, einem überraschend großen Platz mitten in der Altstadt.

Treppen gabs auch viele - und ich geb zu: ich seh doof aus mit der Tasche!

Enge, verwinkelte Gassen


Toll, ich weiß, wo wir sind, und wenn das Navi einen Kompass hätte wüsste ich auch, in welche Richtung wir gehen müssen. Egal, weiter. Wir gehen irgendwo runter, finden eine prima Treppe…und sind wieder auf dem gleichen Platz. Never mind. Irgendwann finden wir eine größere Straße (jaaa, mit Autos!) und endlich wissen wir, wo wir hin müssen. Kurzer Imbiss. Es ist schon viel zu spät, um 8 haben wir eine Reservierung beim Japaner. Schnell zum Dingsbums, ein paar Photos machen. Sowohl Architektur als auch Aussicht sind sehr beeindruckend, das Licht ist fantastisch. Zu schade, wir müssen wieder aufbrechen.





In Sauseschritt zum Parkhaus. Knapp 5 Euro fürs Parken sind noch einigermaßen human. Und raus aus dem engen Parkhaus, Navi programmieren und full speed zurück ins Coma.
Kurz nach 8 kommen wir im Hotel an…und die Hetze hat sich gelohnt! Das Essen im japanisch angehauchten Restaurant ist ein absolutes Highlight. Eine Oase der Stille, stilvoll eingerichtet, keinerlei Geschirrgeklapper, es sind auch nur eine handvoll Gäste da.
Statt Messer und Gabel gibt es Stäbchen, und mit ein wenig Übung kommen wir damit sogar sehr gut zurecht. Und ist es nicht überhaupt viel stilvoller, sein Essen vorsichtig aufzuheben, anstatt es mit der Gabel zu stechen und dem Messer zu massakrieren?
Das Pärchen am Nebentisch gibt nach der zweiten Vorspeise auf, wir hingegen genießen jeden einzelnen der 5 Gänge, die allesamt kunstvoll garniert sind, dazu eine herrliche Flasche Wein.
Wir machen einen kurzen Spaziergang und lassen den Abend auf dem Balkon mit dem Rest Wein ausklingen.
