Tag 2: Strand, Arta, Betlem

8:30. Anna hat ihr Handy gestellt, welches uns nun mit einem schlafdurchdringenden Tüdelütt-Dü-DÜÜÜÜÜÜ!!!! weckt. Das frühe Aufstehen fällt schwer. Gähn. Was, schon 9:30? Dann müssen wir uns beeilen, Frühstück gibts von 7:30 - 10:30. Wir eilen gegen 10:15 ins Restaurant - und werden überwältigt. Gegen den Lärm aus Stimmen und Tellerklappern ist eine Bahnhofshalle ein friedlicher Ort zum ausspannen.

Die heiße Schlacht am kalten Büffet! Deutsche, mehr Deutsche (der Brite, den wir gestern nach der Rezeption gefragt hatten, war wohl ein Versehen), dazwischen Bedienstete, die ächzend mit krummen Rücken Berge von Geschirr von A nach B schoben.

Mühsam finden wir einen Platz, genau neben einem der beiden Geschirr-Klapper-Zentren, die so strategisch günstig gelegen sind, daß sie das gesammte Restaurant in einer Weise beschallen, daß nichtmal ein Zweijähriger eine Chance hat, mit seinem Gebrüll dagegen anzutreten.

Cafe? Ja, gerne. Si. Gratia.

Ich kann absolut kein wort Spanish. Nichtmal Hallo. In einem Moment der Geistesgegenwart hab ich wenigstens ein Wörterbuch auf meinen iPod geladen...der wohlbehütet in der Schublade neben meinem Hotelbett liegt.

Also Weiter zum Buffet. Teller suchen, Essen suchen, O-Saft suchen. Das Frühstück ist ganz ok, es gibt Brot, Salat (wer zur Hölle ist morgens Salat???), Eierspeisen und unheimliche fettige Wurstwaren. Ein bisschen Obst. Na ja. Hab bessere Buffets gesehen, hab schlechtere Buffets gesehen, was solls.

Laut Wettervorhersage soll es ab Donnerstag regnen, mehr regnen und außerdem noch mehr regnen. Also heißt es, den halbwegs sonnigen und warmen Tag nutzen.

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Also: Strandspaziergang!

Wir sind natürlich nicht ausgerüstet. Keine Strandtasche, nur ein Strandtuch, keine Sonnencreme. Anna hat wenigstens einen quietschbunten rosa Hut. Ich beneide sie.

Egal. Kurze Hose an, die neuen Adidas-Latschen und raus. Wir wollen Sonne, Wind und Meer spüren. Und Sand zwischen den Füßen!

Ein kurzer Gang über die Pool Area ("Es ist verboten, Liegen mit Handtüchern zu reservieren!!!"). Strandpromenade. Strand!

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Netter Pool, leider nicht beheizt.

Wenn man ganz viele Betten aufeinanderstapelt sieht das Ergebnis ungefähr so aus:

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Zwischen Hotel und Strand gibts noch ein bisschen Grün:

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Sandalen aus, Füße ins Wasser. Es ist kühl, aber ein herrliches Gefühl. Der Strand ist angenehm besucht, nicht zu leer, nicht zu voll. Es gibt Liegen und Sonnenschirme, aber im mediterranen Look, und nicht militärisch sortiert wie bei den Italienern in Gabbice-Mare.

Muscheln gibts leider nicht, auch Meins-meins-meins-meins-meins-Möven sind Mangelware. Egal, es spaziert sich herrlich.

Kinder bauen Sandburgen, Väter lesen Zeitschriften, und die holde Weibblichkeit versucht, mal mehr, mal weniger schamlos bekleidet die solariengebräunte Haut in ein zartes Schwarz zu verwandeln.

Und irgendwann ist der Strand zuende. Ziemlich schnell sogar wird es steinig. Aber durchaus reizvoll. Wir setzen uns auf einige Steine, lassen den Blick schweifen und sehen zu, wie sich die Wellen an den Felsen brechen.

Es bewölkt sich ein wenig.

Wir beschließen, zurück zum Hotel zu gehen. Umziehen. Wir gehen mit dem alten Toshiba Satellite Notebook in die Lobby, Emails checken. Tja, und entweder gibts keinen WLAN Empfang oder keinen Strom. Verdammt. Ich könnt das Ding an die Wand schmeißen und Träume vom EEEPc, einem kleinen Subnotebook. Also wieder rauf aufs Zimmer. Ich bewaffne mich mit MDA Pro und iPod touch, Anna wartet unten. Beim MDA streikt der Akku, der iPod ist die Rettung. Email und Web funktionieren, die Börse ist ordentlich abgestürzt, die Wettervorhersage immer noch mies.

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Anschließend zur Rezeption wandern, Plätze im japanischen (Do.) und dem italienischen Restaurant (So.) reservieren, die wir gnädigerweise pro Buchungswoche je einmal in Anspruch nehmen dürfen.

Und dann das Tagesprojekt "Wir betanken unseren Diesel" angehen. Eine Tanke finden wir schnell, zwar woanders, als vom Navi vermutet, aber egal. Einmal Volltanken für 50€...die Spritpreise sind ein Traum, rund 30 cent preiswerter als in D.

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Wir fahren weiter.

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Arta...Arta? War da nicht was?

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Da stand doch was im Reiseführer. Also fahren wir nach Arta. Boah, ist Spanien häßlich. Enge Straßen, verfallene Gebäude. Vielleicht sollte James Bond mal eine spanische Stadt als Kulisse für eine Panzerverfolgungsjagd buchen. Einbahnstraßenverkehr. Jetzt versteh ich, warum sich Sixt die Mühe gemacht hat, das Auto mit PDC vorne und hinten auszurüsten. Irgendwie kämpfen wir uns beulenfrei durch Arta...und sehen im Rückspiegel eine interessante Burg auf einem Berg.Also zurück. Nahkampf gegen Clios, Peugeots und Kleinbusse. Irgendwann sind wir oben. Wir parken an dem kleinen Hotel Sant Salvador, stilecht verfallen, und marschieren den Rest zu Fuß, den Himmel besorgt im Auge behaltend. Es weht, es wird immer dunkler, auf der Windschutzscheibe hab ich schon die ersten Tropen gesehen und natürlich haben wir wie immer die falsche Kleidung an...fluch.

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Aber der herrliche Ausblick entschädigt für alles! 

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Die Burg entpuppt sich laut Führer als "burgartige Befestigung auf dem Kavarienberg um die Wallfahrtskirche Santuari de Sant Salvador". Ah ja. Sehr schön. Hier oben gibts jede Menge Parkplätze, grmpf. 

Überall wirbt die Kirche mit ihrem Logo:

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Es gibt einige Höhlen, einige Treppen, zahlreiche Kreuze und viele tolle Burgzinnen. Hier könnt man sich prima verstecken und Feinde mit Pech und Schwefel begießen! 

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Fast der gesamte Burggang ist erhalten, Rollstuhlgerecht (!?), aber ohne Geländer und teils gut 4m in der Höhe. Dazwischen kleine Türme, die nochmal rund 2-3m höher sind und von denen man einen herrlichen Blick wahlweise auf das nicht wirklich schöne Städtchen oder die üppige Landschaft mit zahlreichen Bergen und Hügeln hat. An einer Stelle geht der Blick sogar bis aufs Meer.

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Wir machen viele Fotos mit Annas Handy, deren Auflösung leider nicht wirklich befriedigend ist (deswegen stammen die Fotos hier von einem zweiten Ausflug, den wir einige Tage später unternahmen).

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Der Gang an den Zinnen entspricht sicher nicht den deutschen Bauvorschriften!

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Blick auf den Hof

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Es zieht sich zu.

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Repräsentative Einfahrt, leider ohne automatischen Toröffner.

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Es tropft. Der Regenschirm ist bei dem Wind praktisch nutzlos. Anna entdeckt einen alten vertrockneten Baum, der sie magisch in ihren Bann zieht, wie ein surreales Gemälde.

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Wir kommen trocken zum Auto, und fahren los, raus aus der Stadt.

Die Straßen werden schmaler. Und kurvig. Und noch schmaler. Wir jagen Serpentinen hinauf. Und herunter. Ich arbeite wie ein Blöder mit Kupplung und Schaltung. Dank Diesel geht es auch bei den heftigsten Steigungen voran, der BMW wieselt durch die Kurven und macht Freude am Fahren.

Aber wehe, es kommt Gegenverkehr. Dann wird das Vorbeifahren zur Millimeterarbeit. Anna wacht über die rechte Seite und ist eine große Hilfe. Die meisten Entgegenkommenden sind sehr freundlich, man kommuniziert miteinander, klappt die Spiegel ein und irgendwie klappts schon.

Und nach unzähligen Kurven kommt man plötzlich um eine Ecke - und vor der Windschutzscheibe breitet sich ein wunderbares Panorama aus: Felsen, einige Bäume, und ganz weit unten das Meer! Anna knipst mit der Handy-Kamera. Einige Kurven weiter gibt es auf einem Gipfel einen kleinen Parkplatz. Wir halten. Einige Leute kommen uns mit fröhlichen Gesichtern durchs Gebüsch entgegen, also nehmen auch wir den Weg und sehen das gleiche Panorama aus einer noch besseren Perspektive. Wahnsinn! Mallorca besteht also nicht nur aus häßlichen Städten und verkommenen Landschaften.

Wir fahren weiter. Mehr enge Kurven. Und irgendwann ist Schluß. Da steht einfach nur ein Kloster. Mit Parkplatz. Wir überlegen, steigen kurz aus..und wieder ein. Wir haben keine Lust auf Kloster, zumal es wieder tröpfelt. Außerdem wollten wir noch schwimmen.

Es geht zurück, durch all die Kurven und Steigungen, mit Gegenverkehr, Serpentinen und allem, was sonst noch Spaß macht. Schweißperlen auf der Stirn, wenn man einer Kurve ohne Begrenzung begegnet, wo es direkt in den Abgrund geht und einem dann noch ein fetter Audi A3 entgegenkommt. Es geht zurück durch Arta, durch die Einbahnstraßen, über Calla Millor nach Sa Coma. Kurz nach halb Sieben kommen wir im Hotel an.

Schnell die Badehose angezogen, und runter in den Spa Bereich. Die Handtücher, die frecherweise 10€ Pfand kosten, bekommen wir gnädigerweise gratis, weil die Dame and der Rezeption gerade gehen wollte (aber bitte hinterher hinter den Tresen schmeißen).

Das Schwimmbad sieht ganz nett aus, dunkler Holzboden, großes Wasserbecken mit Säulen und einem Lift für ältere Menschen.

Kurz Duschen, rein ins Wasser, wir haben fast das gesamte Schwimmbad für uns allein. Es gibt zwei Ecken mit Bänken und Whirlpooldüsen, die man per Knopfdruck aktivieren kann. Außerdem zwei Massageduschen und eine kleine Gegenstromanlage. Wir paddeln bis 19:30, dann gehts raus. Ab aufs Zimmer, Haare waschen...Stress! Erst um 20:20 verlassen wir das Zimmer und eilen Richtung Restaurant. Der Fahrstuhl braucht natürlich ewig.

Also Buffet. Die Situation ist ähnlich wie beim Frühstück, das Restaurant ist gut besucht, Getränke muß man bestellen.

Sie hätten vielleicht lieber Automaten aufstellen sollen, damit dem Personal der unerfreuliche Kontakt mit dem Gast erspart bleibt. Offenbar besteht das Personal aus Leute, die aus dem Norden kommend nach Malle gezogen sind, um dort zu arbeiten, wo andere Urlaub machen, und tatsächlich nur den ganzen Tag am schuften sind. Alle sehen bleich aus, mit Falten im Gesicht, ganz anders als die braungebrannten fröhlichen russischen Einwanderer am Toten Meer in Israel.

Das Essen ist ganz ok, Anna mag das auf mallorcinisch zubereitete Art und Weise zubereitete Gemüse. Weniger schön ist, daß pünktlich um 20:30 ein Teil des Buffets abgebaut wird und um 20:45 die Lichter ausgehen. Dazu ständiges Geschirrgeklapper, teilweise werden einem die Teller eilig vom Tisch gerissen, bevor man wirklich fertig ist. Absolut unmöglich.

Wütend stopfen wir den Nachtisch in uns rein und verlassen das Restaurant. Email checken, ein Ron Clark hat ein Problem, das ich debuggen muß. Seufzend beschließ ich, es nochmal mit dem Toshiba zu probieren, und finde tatsächlich eine ehemalige Telefonecke in der ich Strom und WLAN bekommen. Das Problem läßt sich relativ schnell lösen.

Nebenan an der Bar findet Animation und Hei-tei-tei statt. Wir setzen und ganz hinten hin. Anna trinkt einen Cocktail, ich einen Baileys. Wir wundern uns über die anderen Gäste, die nicht selten im Seniorenalter sind, und bezweifeln, daß wir jemals so senil sein werden, so etwas toll zu finden.

Gegen 11 gehen wir nach oben, machen es uns noch ein wenig gemütlich und gehen Schlafen. 



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