Nachdem wir den gestrigen Abend/Nacht mit Einpacken und Photos machen verbracht haben, war die Nacht eher kurz, aber es half nichts: Noch vor 10:00 morgens klingelte uns ein heulendes Kleinkind gnadenlos aus dem Schlaf, und ihm Gegensatz zum Wecker schafften es nichtmal die Eltern, das Kleine ruhig zu stellen, im Gegenteil, es schrie wie am Spieß.
Na ja, wir müssen eh aufstehen. Also mühsam aus dem Bett gerollt. Nun ist erstmal Frühstück bzw. Resteverwertung angesagt: alles, was den Trip nach Monaco bei glühender Hitze und Motor vermutlich nicht übersteht, wird entsorgt.
Ich verrat schon einmal soviel: die Butter hat überlebt. Wenn auch leicht angeschlagen...
Gegen 12 fing ich an, das Auto zu packen...irgendwie sieht der Kofferraum bei Sonnenschein noch kleiner aus, als er eh schon ist. Ich stopfe Schuhe und Neccessaire in die Nischen vor den Rückleuchten, quetsche die Taschen hinein, irgendwie geht es schon, ein bisschen Luft ist noch da.
Dann machen wir Studio-Übergabe mit Claire. Sie zeigt uns noch ihr größtes Appartment, in dem man problemlos noch diverse Kinder und Großeltern unterbringen könnte. Auch dieses Appartment ist mit Ikea Möbeln eingerichtet, einige der Möbel stehen auch bei uns zuhause.
Da unsere Unit nicht wirklich vorzeigbar ist, hier ein paar Bilder von der großen Wohnung:

Ob das Bett hier auch "Malm" heißt?

Hier oben sind deutlich weniger blöde Balken als in unserem Studio:

So eine Badewanne hätten wir zuhause auch gerne:


Wir unterhalten uns mit Claire noch recht lange über dieses uns jenes, sie haben das Haus offenbar vor zwei Jahren erworben und mühsam renoviert.
Schließlich rollen wir langsam los, ans Verdeck aufmachen ist nicht zu denken. Anna wird auf der Fahrt übel, die Hitze und Schlafmangel setzen ihr zu.

Das "Schiff" bei Nizza - hier wäre auch eine Ferienwohnung frei gewesen:

Manchmal ist die Wegführung vom Navi recht mutig:

Jetzt sind wir bald in Monaco.


Die letzte Kirche VOR Monaco

Nach eineinhalb Stunden Küstenfahrt gelingt es mir doch, die Adresse in Monaco einzugeben. Zwei Minuten später ruft auch schon Louise an und fragt, wo wir denn bleiben. "Which car do you drive? - A black Porsche". Diese Auskunft ist in Monaco so sinnvoll wie "einen silbernen Golf" in Hannover, denn es gibt viele Porsche und fast alle sind schwarz, außer denen, die noch schwärzer sind weil die Besitzer die Option "Felgenstern lackiert" angekreuzt haben.
Praktisch. Ein paar Minuten später treffen wir sie und Paul an einem Kreisverkehr. Anna geht mit Louise aufs Studio, Paul springt zu mir ins Auto und geleitet mich ins Parkhaus. "The remote control of the garage doesn't work properly" - Ja, das kenn ich von zuhause, da muß man auch hundertmal aufs Knöpfchen drücken bevor das Tor aufgeht.
Nach endlos vielen Kurven nach dem Motto "bei dem Bentley da links, dann weiter runter, an dem silbernen Ferrari vorbei, dann rechts, hinter dem Aston Martin, da hinten, wo mein Fahrrad steht, also genau hinter dem Land Rover, warte mal ich fahr den mal weg...netter Porsche übrigens, hatte früher mal nen 911er..."
Ich warte, bis Paul aus Irland den Landy weggefahren hat und parke dann mühsam ein. Der Parkplatz ist verdammt eng, ich bin nur froh, daß neben mir eine Säule und keine Wand ist. Neben mir steht ein 3er BMW, der gottseidank nagelneu ist, so daß der Fahrer wohl aufpassen dürfte.
Ich grabsch mir alles an Gepäck, das Rollen hat, und wir ziehen los Richtung Fahrstuhl.
Das Appartment ist im zweiten Stock, der in Monaco jedoch der erste ist. Im Flur stinkt es bestialisch nach Zigarre. Die Türen sind in einer Art Pianolack gehalten. Das Appartment ist deutlich kleiner als erwartet. Die Einrichtung besteht hauptsächlich aus einem großen Ledersofa, das sicher mal sehr teuer war, sowie einem riesigen Sharp LCD Fernseher. Die Küche ist winzig, einen Ofen gibt es nicht, dafür selbstgemalte Gemälde. Das Bad versprüht 70er Jahre Charme, die Klobetätigung kenn ich aus meinem Elternhaus, ist von der gleichen Firma...lol.
"Internet gibt es so direkt nicht, da mußt du mal schaun, ob du dich einhacken kannst, hier gibts ja genug Netze. Sonst mußt du halt rüber zu McDonalds".
"Tja, hmm, ok"
"Ja, und hier ist ein Ventilator, da mußt du hier drücken"
"Gut...ach, wie ists mit Schlüssel?"
"Oh, richtig, hätt ich fast vergessen, hier ist er. Und falls dich der Concierge fragt, sag ihm, ihr wäret Freunde von Paul...ok? Falls irgendwas ist, ruft an, wir müssen los"
Boff.
Da saßen wir erstmal. Zumindest die Aussicht vom Balkon ist grandios. Das Studio liegt in Fontevielle, einem Stadtteil von Monaco, der in den 70er Jahren mühsam dem Meer abgetrotzt wurde. Wir blicken direkt auf den Hafen. Links ist ein riesiger Felsen, auf dem der Palast des Fürsten von Monaco thront, von wo aus die Familie Grimaldi das Fürstentum seit über 700 Jahren regiert.

Monaco ist die am dichtesten besiedelte Gegend der Welt, und hat gemessen an Größe und Einwohnerzahl die meisten Polizisten, nämlich 550 auf 35,000 Einwohner. Auf die Videoüberwachung wäre sogar Scotland Yard neidisch. Willkommen im Polizeistaat?
Ich hol erst einmal das restliche Gepäck aufs Zimmer. Das Verstauen gestaltet sich als mühsam, da der Platz doch ein wenig begrenzt ist. Paul hat uns im Kühlschrank eine Flasche Wein und ein paar Heineken Bier als Anfangsvorrat dagelassen.
Während Anna sich frisch macht, erkunde ich erst einmal das Internet. Es gibt WLAN Netze, die aber alle verschlüsselt sind. Mist.
Anna sucht etwas. Hmm...was ist das? Ein Telefontisch. Darauf ein Fax. Und darunter: ein DSL Router!
Ich nehm das Ding in die Hand...da müßte doch eigentlich...genau: eine SSID, und ein WEP Key....mehr brauch ich nicht. Ich geb die Daten ins MacBook ein, und hurra, ich bin drin....ging ja ganz einfach.
Da wir von Bier und Wein nicht wirklich satt werden brauchen wir Futter, und dafür brauchen wir nen Supermarkt, also erkunden wir erstmal die Gegend.

Da wohnen wir - irgendwo:

zunächst spazieren wir Richtung Hafen, mal schaun, was es hier schönes gibt. Die Sonne brennt, ich hab vergessen, mich einzucremen, und die neue Brille auf, und die Mütze natürlich auch liegen lassen, muß also ständig die Augen zusammenkneifen.
Wir spazieren vorbei an Yachten, es gibt ein paar Restaurants, meist mit Fishfood, eine Clinic für Chemotherapie, einen Formel 1 Andenkenladen und einen Veterinär
Hier sind einige Impressionen:
Oben auf dem Felsen ist der Palast:

Fließendes Kunstwerk

Boote halt, die vor einem Felsen liegen.

Steg mit Aussichtsplatform

Vom kultigen Panda bis zum 0-8-15 Bentley ist hier alles vertreten.


Und so siehts aus, wenn man auf dem Steg ist:
Am Ende entdecken wir den Heliport, an dem ständig Hubschrauber starten und landen.
Mein Gesicht brennt, wir gehen wieder zurück. Wir beschließen, es noch einmal auf der anderen Seite zu probieren....und landen in einer Shoppingmall, ohne Aircon, aber dafür mit Supermarkt. Es ist brechend voll. Vor dem Eingang der Fortefour-Markts versuchen Händler, Rasenmäher zu verkaufen...ein zweifelhaftes Unterfangen, denn nur die allerreichsten der Reichen haben hier so etwas wie einen Rasen.
Umso größer ist die Anzahl der Leute, die Liegen und Klimaanlagen herausschleppen. Ein Plakat sagt uns, warum: es gibt 20% auf alles, das wie eine Klimaanlage oder Gartenliege aussieht.
Rabattschlachten funktionieren also auch hier.
Wir grabschen uns einen Einkaufswagen und stürzen uns ins Getümmel. Die Leute sind schon recht strange hier: alle sehr hektisch, viele extrem schlanke Frauen mit einer sehr eigenartigen Körperhaltung, die Einkaufswagen mit Kindern und Süßigkeiten vor sich herschieben. Oder auch ohne Einkaufswagen, einfach so im Wege stehend.
Dann 90 jahre alte Omas mit High-Heels und Rolatoren.
Am normalsten (und glücklichsten) sehen junge Männer zwischen 20 und 35 aus.
Oft sieht man auch Frauen, die schlank sind, jugendlich gekleidet, schöne Haare, aber mit teils sehr faltigen Gesichtern....oder auch unbeweglichen Gesichtern, je nach Colagen Dosis.
Jedenfalls wirkt das alles sehr unentspannt.
Wir grabschen uns soviel an Essen, wir wir tragen können, also Baguette, Lachs Tarama, Marmelade, O-Saft, und das Lebenselixir "Cola Light". "Plus". Soviel Zeit muß sein.
Müde, aber glücklich schleppen wir unsere Beute aufs Studio. Anna macht uns einen schönen Salat und wir setzen uns auf den Balkon, Der Salat schmeckt hervorragend. Wir beobachten die Yachtis, die sich jedesmal vor Betreten eines Bootes die Schuhe ausziehen.
Ich ruf kurz meine Mom in Travemünde an, um ihr zum Geburtstag zu gratulieren. Natürlich hat niemand sein Handy an, außer meinem Bruder, der nach Travemünde gereist war, welch ein Glück.
Nach dem Essen macht sich Anna fein, will unter die Leute. Wir holen den Boxi aus der Garage und fahren offen durch die Nacht. Wir kurven einige Zeit herum, groß ist die Stadt ja nicht, und finden schließlich am Yachthafen direkt neben einigen großen Yachten einen Parkplatz, der offenbar auch noch kostenlos zu sein scheint.

Das Casino bei Nacht:

Wir spazieren am Hafen entlang. Es sind eine Menge Leute unterwegs, Touris und Einheimische, wir fühlen uns hier durchaus wohl, auch, weil es in Monaco praktisch keine Kriminalität gibt. Am vollsten ist der Platz vor dem Casino.
Gegen ein Uhr Nachts sind wir wieder zuhause, trinken auf der Terrasse gemütlich einen Wein und feiern auf diese Weise in meinen Geburtstag hinein.
Nachts um 3 gibt es noch eine finale Challenge: das Designersofa zu einem Bett umbauen! Das Aufstellen des Zusatzbetts ist noch einfach, aber wir wissen nicht, wo genau wir die Lacken reinstopfen müssen. Aber irgendwann ist auch das erledigt, bleibt nur die Frage: hart, aber schmal, oder lieber breit, aber weich liegen?
Na denn, gute Nacht...
