Tag 7: St. Tropez

Heute wollen wir früh aufstehen. Wir haben sogar den Wecker gestellt...auf 10:00!

Und ignoriert. 

Also wieder um 12 gefrühstückt, danach Internet, und kurz vor 15:00 Aufbruch Richtung St. Tropez. Wir fahren erstmal Richtung St. Rafael die Küste entlang. Das Wetter ist brutal, die Sonne brennt, es gibt kaum Wind. Anna leidet unter der Hitze und den vielen Kurven, am Ende müssen wir mit geschlossenem Dach fahren.

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Auch der Verkehr ist sehr stark, es gibt an mehreren Stellen Radarkontrollen von der Polizei, zahlreiche Motorroller, sogar ein Mitglied der Hells Angels France überholt uns auf seiner Harley.

Westlich von St. Rafael ist es deutlich weniger schön. Es gibt weniger Berge und etwas geradere Straßen, manchmal staut sich der Verkehr, insbesondere in der Gegenrichtung hat sich ein kilometerlanger Stau gebildet.

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Nach fast drei Stunden kommen wir in St. Tropez an. Wir kurven ein wenig herum, die Stadt besteht hauptsächlich aus Einbahnstraßen. Es gibt einen Hafen mit vielen Yachten, aber nicht wirklich eine Flaniermeile...bzw. nur eine solche, die in einer Sackgasse endet.

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Auch die alte Beverly-Hills Frage "Wo bitte gehts zum Strand?" erübrigt sich: es gibt offenbar keinen Strand!

Es gibt einen großen kostenpflichtigen Parkplatz ohne Schatten. Wir fetzen uns ein wenig über die Frage, ob wir die Flasch Wasser mitnehmen sollen oder nicht. Uns ist beiden zu heiß, wir sind beide müde und stehen beide ein wenig verloren auf dem endlos großes Parkplatz.

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Nachdem wir uns ein wenig beruhigt haben und Anna sich etwas bequemere Schuhe hat, wandern wir ein wenig ziellos durch die Stadt. Wirklich schön ist sie nicht. Es gibt ein paar der üblichen Dolce Gucci was weiß ich Geschäfte und einige Boutiqen, und man muß aufpassen, daß man nicht von wildgewurdenen Mofas überfahren wird.

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Zwischen dem Getümmel ein Päärchen, das sich von einem Filmteam beim Luxuseinkauf begleiten läßt. Übersetzt bedeutet das: "wir sind eigentlich Prominent und müssen unbedingt ins Fernsehen, damit wir wieder Werbeverträge bekommen, weil wir uns sonst unseren Lebensstil nicht mehr finanzieren können".

Das erklärt natürlich, warum wir in Fernsehen kein RTL empfangen können: ist auch total überflüssig, weil man sich peinliche Leute hier live ansehen kann.

Eigentlich könnten wir das ja auch machen: einfach zwei Kumpels mitnehmen und uns filmen lassen. Aber bloß nicht mit der kleinen Digicam, nein, dafür sollte man sich lieber bei egay eine uralt Betamax Camera ersteigern....muß ja was hermachen...lol.

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Lustiger ist ein Platz, an dem viele Leute Botcher spielen, wobei man unheimlich aufpassen muß, nicht von einer der Kugeln getroffen zu werden.

Daneben einige Restaurants, bei denen ein Glas Wasser stolze 5€ kostet. Bei den Preisen versteh ich, daß besagtes Möchte-Gern-Promi-Päärchen dringend Devisen beschaffen muß. Und da wir uns in dem völlig leeren Restaurant nichtmal einen Tisch aussuchen dürfen, verzichten wir mit großer Geste und schlendern stattdessen weiter durch die Gassen.

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Manche Restaurants werben tatsächlich mit Champagner Dies und Champagner Das...haben die noch nicht gehört, daß Schampus megaout ist? Genauso wie die Hummer H2, die sich bei den Autohändlern in den Vorstädten die Beine in den Bauch stehen, wenn sie nicht gerad mit Werbung für Penispumpen herumfahren.

Ferrari gibts hier übrigens auch recht viele...so viele, daß es schon fast uncool ist. Wer cool ist, fährt einen mattschwarzen Land Rover Defender, und zwar offen, ohne Verdeck, Seiten- und Windschutzscheibe!

Einige der Gassen sind sogar ganz hübsch. Wir finden ein paar gemütliche Restaurants, die auch normale Preise haben. Als Vorspeise gibt es einen wirklich leckeren Antipasti Teller, den wir uns teilen, als Hauptgang Ravioli. Wobei es eigentlich blöde ist, essen zu gehen, weil wir zuhause einen vollen Kühlschrank haben. Aber wir haben jetzt Hunger und können uns beide nicht vorstellen, abends um 11 noch einmal zu kochen, da wir jetzt schon totmüde sind.

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Danach schlendern wir etwas weiter, bekommen sogar einen Blick aufs Meer und finden einen winzigen Strand, der nicht wirklich einladend wirkt.

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Zurück gehts vorbei am Yachthafen, der wohl die Hauptattraktion von St. Tropez darstellt.

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Irgendwie sehen die Yachten alle gleich aus, halt groß und weiß. Cool ist eine flache ältere Yacht in dunkelrot, davor passend ein ebenfalls älteres Rolls-Royce Corniche Cabrio in einer ähnlichen Farbe.

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Ebenfalls cool: ein abgewracktes Segelboot mit dem Namen "Idefix". 

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Uncool: von der Yacht auf einen gelbes Peugeot Mofa umsteigen.

Mega-uncool: beschissene Toiletten auf Parkplätzen, für die man auch noch Geld bezahlen soll!

Also dafür, daß St. Tropez die Stadt der Reichen und schönen sein soll, ist der Ort ganz schön abgewrackt. Wenn die Yachten und die teuren Autos nicht wären, wär der Ort nichtmal einen Besuch wert. Es gibt keinen Strand, es gibt nicht wirklich eine Flaniermeile, es gibt eigentlich nicht wirklich was zu sehen. Das einzige, was den Ort auszeichnet ist, daß man dort eine relativ große Yacht unterkriegt, und vermutlich sind nur deswegen die richtig reichen Leute dort, was einem als Normal-Touri relativ egal sein kann, es sei denn, man leidet wirklich zu sehr an RTL-Entzug.

Schneller als gedacht landen wir wieder beim Parkplatz. Es ist ein bisschen wie in der Antike, nur daß alle Straßen nicht nach Rom führen.

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Zurück fahren wir über die Autobahn. Die Landstraßen im Hinterland sind eine einzige Baustelle, offenbar wir die Straße vierspurig ausgebaut, weil so wahnsinnig viele Leute ins ohnehin schon überfüllte St. Maxime wollen, und von da nach St. Tropez.

Auf der Autobahn kämpfen wir wieder mit Mautautomaten, die der Ansicht sind, daß meine frisch gepresste VISA Karte abgelaufen sei...nur mit Mühe kann das Personal nach Barzahlung die Schranke dazu bewegen, sich zu öffnen.

Gegen halb 11 sind wir zu Hause. Auf unserem Parkplatz findet irgendeine Vorführung statt...bei dem Lärm hätt man die Metallica CD gar nicht leiser drehen brauchen.

Zuhause wartet dann noch Arbeit auf mich. Wenigstens sind in Lehrte alle gesund und munter, die Katze ist im Haus und den Müll haben sie natürlich wegen der Baustelle mal wieder nicht abgeholt, typisch.




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