Tag 2 - Zürich -> Cannes

Um 8:40 klingelt der iPod, um 9:00 schälen wir uns mühsam aus dem Bett...und kommen gerade noch Rechtzeitig zum Frühstück bis 10:00. Das Buffet ist nicht wirklich prall, es gibt kein frisches Obst, kein Rührei und erst recht kein Bacon. Zumindest haben wir einigermaßen gut geschlafen. Im letzten Moment denke ich dran, einige Tüten Zucker mit einzustecken, die werden wir sicherlich brauchen.

Wir bezahlen die Rechnung und bepacken den Boxi. Dach auf, und raus aus der Tiefgarage ins sonnige Zürich. Zuerst fahren wir Richtung See und finden tatsächlich einen Parkplatz. Die Parkgebühren sind lächerlich niedrig, 1€ für mehrere Stunden.

Jetzt kommt erst einmal eine Prozedur, die ich von ganzem Herzen hasse: Sonnenmilch auftragen! 

Und diese Milch läßt schwarzes Leder so richtig schön blau erscheinen. Na lecker - hoffentlich geht das Zeug wieder raus.

Wir gehen zu einem Steg und genießen für einige Minuten das wunderschöne Panorama. Anna macht einige Fotos:

DSC08228

DSC08230

DSC08240

Und ich mach ne Pause auf nem Stein:

DSC08238

DSC08251

Hund müßte man sein...

DSC08239


DSC08257

Tschüss, Zürichsee, es ist schon Mittag und wir haben leider absolut gar keine Zeit. Wir fahren einmal quer durch die Stadt zur Autobahn.

DSC08259

In Zürich gibt es wenigstens schöne Autos:

DSC08260

Jetzt sind wir auf der anderen Seite des Sees. Leider sind viele Baumreihen dazwischen, so daß man den See gar nicht sehen kann. Hier ein Photo, das ich in einer Lücke geschossen hab:

DSC08268

Ja, liebe Klapp-Top-Blechdach Fans und SL Fahrer, jetzt dürft ihr richtig neidisch sein: im Porsche Boxster kann man auch dann noch das Dach öffnen, wenn beide Kofferräume komplett belegt sind!

Offen fahren wir durch die Schweiz...oder besser gesagt: wir schleichen. Die Straßen durch den Ostteil der Schweiz sind deutlich schöner als die im Westen, aber es geht trotzdem quälend langsam vorran. 

In der Schweiz hält sich wirklich jeder penibelst an das Limit, weil erstens die Strafen empfindlich sind und weil es zweitens an jeder Ecke Radarfallen gibt.

Liebe Katrin Weisser, hättest du damals, als du meinen Porsche konfiguriert hast, nicht auch noch ein kleines Häckchen beim Tempostaten machen können? Du hast ja sonst eigentlich alles abgekreuzt was geht, vom Telefonhörer in Leder bis zum Xenon Licht hast du nichts ausgelassen, nur den verdammten Tempostaten, und das Porsche Zentrum weigert sich leider, den nachzurüsten.

Das hätte mir die Fahrt durch die Schweiz sehr erleichtert.

Never mind, ich hätte trotzdem nicht einfach durchrollen können, den in jedem verdammten Tunnel wird das Tempo auf 80 herabgesetzt! Zumindest unsere Ohren werden geschont.

Vor dem Gotthard legen wir noch einmal Rast ein. Wir sind eine gefühlte Ewigkeit unterwegs, gut zwei Stunden, und haben nichtmal ein Viertel des Weges zurückgelegt. Unser Schnitt liegt bei 60 km/h. Na ja.

DSC08269

Kurzer Stau, dann geht es in den längsten Tunnel Europas. 17km lang geht es geradeaus, Limit auf 80, real kann man 65 fahren weil der Vordermann eben nicht schneller fährt.

Größter Tunnel Europas, das hab ich mir irgendwie spektakulär vorgestellt, in Wirklichkeit ist es einfach nur langweilig. Gottseidank haben wir vorher das Dach zugemacht, Lärm und Gestank wären sonst kaum auszuhalten.

Auf der anderen Seite des Gotthards ist die Landschaft drastisch verändert: man wähnt sich in Italien! Die Ortsnamen sind italienisch, die Häuser sehen anders aus, und es gibt sogar ab und an mal Autos, die das Tempolimit überschreiten. Kaum zu glauben.

Bis wir in Italien sind, vergeht eine weitere Stunde. 50km vor der Grenze lotst uns das Navi am Stau vorbei in eine verstopfte Innenstadt.

Wir machen noch einmal Rast bei McDuff. Ich habe Hunger und stopf einen BigMac in mich hinein, dazu einen Chicken Wrap, eine Cola und Pommes, sowie einen Cesar Salat für Anna. Das ganze kostet schlappe 20€...der wohl teuerste McDuff der Welt, oder wie? Der Tank wird nochmal gefüllt, wirklich günstig ist der Sprit aber nicht, hier zocken die Tankstellen die Durchreisenden ab.

Endlich überschreiten wir die Grenze nach Italien. Der Verkehr ist dicht, aber man kann endlich wieder entspannt fahren. Es gilt zwar offiziell Tempo 130, aber de facto interessiert sich kaum jemand dafür. Unser Tempo pendelt sich zwischen 150 und 160 ein, wenn uns etwas interessantes überholt ziehen wir auch mal bis 180 durch.

Die Carabinieri fahren übrigens nicht mehr Alfa Romeo, sondern Passat TDI...oh tempora, oh mores.

Die Berge sind plötzlich weg, wir befinden uns in der Ebene und lernen das italienische Mautsystem kennen. An manchen Ecken muß man direkt löhnen, an anderen bekommt man ein Ticket, das bei der Ausfahrt wieder bezahlt werden muß.

Besonders lange kann es dauern, wenn man ausgerechnet den Schalter mit defektem Kartenlesegerät erwischt und man drei Niederländer vor sich hat, die die Portmonais hin- und herreichen, um am Ende doch Cash zu bezahlen.

An der Küste angekommen wird die Strecke bergiger und kurvenreicher. Wir halten kurz an und machen das Dach auf. Anna stellt fest, daß niemand neidischer gucken kann als junge Mütter, die mit ihren schreienden Kindern in einem Van sitzen.

Berge und Kurven - das bedeutet auch lange Tunnel. Und im Gegensatz zur Schweiz gibts in den italienischen Tunneln kein Tempolimit. Eine eindeutige Einladung zu folgendem juvenilen Spiel: das Tempo auf 80 drosseln, und dann das Gaspedal voll durchtreten. Der Boxi schaltet in den 2. oder 3. Gang zurück, um dann mit einem infernalischen Lärm auf 150 Sachen zu beschleunigen. 

In der Schweiz wäre das wohl mindestens grober Unfug, aber hier hat man so richtig Freude am Fahren, und sind wir nicht die einzigen: die zahlreichen Motorräder treiben das gleiche Spiel und sind noch lauter. 

Endlich sitzen wir mal zur richtigen Zeit auf der richtigen Straße im richtigen Auto! Selbst der Ferrari 612 Scagiletti, der uns überholt, kann nicht mehr Spaß machen, der hat nämlich ein Blechdach, ätsch!

Kurvige Straßen, schöne Autos, Tunnel, grandiose Aussichten, einen offenen Porsche unterm Po und eine schöne Frau auf dem Beifahrersitz - Herz, was willst du mehr?

Radarfallen werden vorher angekündigt, an einer Stelle hat die Polizei einen Fiesta rausgeholt, aber sicher nicht wegen Tempoüberschreitung, dazu wäre die Kiste gar nicht in der Lage, LOL.

Direkt nach der letzten Mautstelle kommt noch ein letzter langer Tunnel, neben mir ein Bentley Continental GT aus Monaco. Das Gaspedal am Bodenblech zieht das 560 PS Biturbo-Phaeton-Coupe grollend an mir vorbei.

In Frankreich macht das Autofahren deutlich weniger Spaß, die Straßen der Grande Nation sind in einem erbarmungswürdigem Zustand.

Kurz vor 9 sind wir in Cannes und stehen erst einmal vor einer vergitterten Einfahrt. Sind wir hier richtig? Doch, das Haus kennen wir von Fotos. Plötzlich geht das Tor auf...wir fahren hinein.

DSC08354

Ich kram in den Papieren und rufe Claire an. Einige Minuten später kommt Erik, Claire's Mann vorbei und zeigt uns unser Zimmer.

Es ist eine Art Studio, bei dem oben eine kleine Empore angebaut wurde, auf der das Bett steht. Die Möbel kommen uns sehr bekannt vor, die gibts in Deutschlang bei Ikea.

Küche, Bad, LCD Fernseher, alles recht stylisch. Zwei Klimaanlagen.

Wir packen aus, vernaschen einige Riegel zum Abendbrot.

Ich kann auf dem Bett oben nicht wirklich schlafen, habe Angst, mir den Kopf an dem Balken zu stoßen. Anna findets lustig.

Ich beschließe, unten doch lieber das Schlafsofa auszuklappen, und fühl mich auch gleich viel wohler.

Anna probierts erst einmal oben, und - rummms - stößt sie sich am Balken, aber richtig heftig. Müde kuscheln wir uns beide auf dem Schlafsofa zusammen und sind gespannt, was der nächste Tag bringt.


Copyright (c) 2009 by 4OfficeAutomation, Inc