Auch an unserem letzten Tag in Verona schlafen wir recht lange. Beim Aufstehen werd ich einen Blick aus dem Fenster: es regnet. Und zwar richtig.
Na bravo. Und wir wollten heute abend noch in die Arena.
Gelangweilt blättere ich in dem Verona City Guide, das auf dem Schreibtisch liegt.
Hmm, das Piper wird erwähnt, ansonsten kann man nicht wirklich viel machen...gerade bei Regen...außer: Shopping Mall.

Also ab ins Auto. Praktischerweise liegen von gestern noch die Strandtücher auf den Sitzen, so daß ich mich gleich abtrocknen kann, es regnet nämlich immer noch.
Die Mall liegt an der Ausfahrt Verona Est...und mit Verona ist nicht notwendigerweise nicht die Stadt Verona gemeint, sondern der Landkreis. Wir sind also ein Weilchen unterwegs. Nach etwa einer halben Stunde sind wir vor der Mall.
Hmm, welche Straße nehm ich jetzt? Es gibt mehrere Verzweigungen, alle kurvig, teilweise führen sie in Tunnel. Ja, es gibt Schilder, aber die kann man erst lesen, nachdem man sich für eine Richtung entschieden hat. Früher konnte man Tor 1, 2 oder 3 wählen, wobei bei einem Tor der Tiger, in einem anderen der Goldschatz und in der dritten der Zonk lauern.
Zonk heißt in unserem Fall: Autostrada, mautpflichtig. Es gibt kein zurück und kein Entkommen, wir müssen durch die Maut, 10km zurück fahren, Maut bezahlen, 10 km wieder hierher fahren. Und der Anna ist nebenbei wieder übel geworden. Arrrgggg!
Nach endlich langer Zeit kommen wir endlich auf dem Parkdeck an. Zumindest das Wetter ist wieder ein wenig besser geworden, die Sonne kommt ein wenig heraus. Außerdem weist das Parkdeck eine Besonderheit auf: die Plätze sind nicht dicht an dicht, sondern es ist wie in den USA ein Bereich zum Ein- und Aussteigen vorgesehen!
Daran sollten sich die Monagessen mal ein Beispiel nehmen!
Wir steigen äußerst bequem aus und fahren die Rolltreppe nach oben. Hier gibt es erst einmal richtig tolle Badewannen und Duschen zu sehen, u.a. auch die, die wir in unserem Hotelzimmer haben, inklusive Innenleben.
Wie in jeder Mall gibts auch hier ein Schuhgeschäft. Hier kennt die gute Anna kein halten mehr und findet auf Anhieb zwei Paar High-Heels, die ihr gefallen. Na, da können wir ja noch drüber nachdenken.
Die Mall ist weniger groß, als erwartet, ein guter Teil wird von einem Supermarkt eingenommen. Es gibt einige Imbissstände. Das Essen sieht nicht wirklich gut aus, wir entscheiden uns für Sandwiches, die zu unserem Leidwesen überflüssigerweise überbacken werden. Na dann Prost Mahlzeit.
Natürlich kann Anna sich auch beim zweiten Besuch des kleinen Schuhladens nicht für ein Paar entscheiden, also handele ich einen Preis für beide Paare aus und hoffe, daß wir alles in den Porsche kriegen.
Auf dem Rückweg fällt mir ein kleiner Laden auf, der bei einem totalen Räumungsverkauf alle möglichen Andenken und sonstigen Kram anbietet. Da wir bislang noch keinerlei Mitbringsel haben, schlagen wir hier zu und kommen mit zwei großen Tüten voller Böötchen, Masken, Figuren, Schachteln und Ähnlichem heraus. Wie sollen wir das nur alles unterbekommen?
Wir fahren zurück ins Hotel, unseren skeptischen Blick auf den Himmel gerichtet. Wenigstens hat es aufgehört, wie aus Eimern zu schütten. Wir beschließen, nach Verona zu fahren, und parken im teuren Arena Parkhaus, vor dem sich schon eine lange Schlange gebildet hat.

Das Wetter wird immer besser, und die Stadt ist deutlich voller als am Nachmittag. Viele Leute sind theatertauglich gekleidet. Wir gehen zur Arena und kaufen Tickets der zweitbilligsten Kategorie. Platzreservierungen gibt es nur für die teuren Plätze im Parkett.

Hmm, da war doch noch was....richtig...all diese Leute...sie tragen Taschen mit Handtüchern und Kissen. Unsere Handtücher, Wasserflaschen und alles, was man sonst noch zum überleben braucht, liegt im Auto. Anna wartet vor der Arena, ich wetz zum Auto, die Tasche holen, und komme durchgeschwitzt mit roten Gesicht zurück. Anna schiebt Panik, die besten Plätze seien sicher schon weg, da stömten ja viel zu viele Leute hinein, außerdem könne man ja überall Sitzkissen und Getränke kaufen, und was fürn ein blödsinniger Gedanke es doch sei, nochmal zum Auto zu rennen.
Ich bin erstmal nur durchgeschwitzt und stinkig, obendrein hab ich mir an einem neben meine Porsche stehenden Saab die Hose verdreckt.
Die Arena hat verdammt viele Eingänge. Die 63 ist schnell gefunden, wir werden Teil einer endlosen Meute, die hineinströmt und ersteinmal etliche Treppen erkraxeln muß. Zwischendurch schafft es Anna, quasi im Vorbeigehen auf einem Treppenabsatz ein Mietkissen zu erwerben, ich verzichte, will ja schließlich nicht vergeblich zum Auto gerannt sein.
Schließlich werden wir irgendwo im linken Viertel der oberen Ränge wieder ausgespuckt und sehen zum ersten mal das ganze Amphitheater als solches. Ich muß sagen für eine ehemalige HInrichtungsstätte hat der Platz ein überraschend gutes Karma.

Platzanweiser versuchen, die Arena möglichst effizient zu befüllen, was bedeutet, daß wir erst einmal in der Mitte plaziert werden und quasi anderen Leuten direkt auf den Füßen sitzen. Das gefällt mir nicht, vor allem, da noch reichlich Platz ist.
Den Platzanweiser ignorierend (ich nix verstehen ich nicht italia, non comprendre) kraxeln wir bis auf die obersten Ränge und machen es uns dort breit. Hinter uns ist ein Gitter, damit wir nicht versehentlich auf die Idee kommen, hinunterzuspringen, ansonsten gibt es reichlich Platz, und ob ich von der Bühne jetzt 5m weiter entfernt bin als vorher ist mir auch reichlich egal.

Der Platzanweiser zuckt mit den Schultern, es gibt ja schließlich auch noch genügend andere Leute, die er auf den Füßen der unteren Reihen verteilen kann. Ich bereite genüßlich meine Handtücher aus, gönne mir einen Schluck Wasser und mache ein paar Photos. Bis zur Aufführung dauert es noch ein Weilchen.
Es kommen immer mehr Leute, die sich am Ende große Mühe geben müssen, nicht auf unseren Füßen zu hocken.

Nebenbei hoffen wir, daß vielleicht jemand vorbeikommt, der uns ein paar Operngläser verkauft, die Bühne ist nämlich wirklich verdammt weit weg. Leider haben wir Pech, es gibt nur Eis, Sitzkissen und Bier, aber nichts, mit dem man etwas anfangen könnte. Zumindest gibt es Programmhefte, das ist ja auch schon mal was. Anna macht eine Exkursion zum stillen Örtchen, ich blättere im Programmheft und stelle fest, daß die oberen Ränge eigentlich schon die besten sind. Auf den teuren Plätzen gibt es nämlich einige Restriktionen: man muß sich "angemessen" Kleiden, also passend zum Bühnenbild, dann darf man nichts zu essen oder zu trinken mitnehmen, sondern muß Getränke an der Bar kaufen, außerdem darf man während der Vorführung nicht aufstehen (was auf unserem Platz kein Problem ist), und wirklich bequem sehen die Stühle auch nicht aus.
Am besten getroffen haben es vermutlich noch die Geizhälse, die die allerbilligsten Tickets. Die sehen die Bühne zwar ein wenig seitlich, aber haben soviel Platz, daß sie sich sogar hinlegen könnten, da kommen quasi auf 100 Plätze 4 Leute.


Langsam wird es dunkel, gegen 9 fängt das Schauspiel an. "Carmen" ist eine italienische Oper, die in Spanien spielt und auf französisch vorgetragen wird. Das Programmheft ist dankenswerterweise viersprachig, ich habe es während Annas Klopause problemlos durchlesen können und weiß in etwa, worum es geht.
Die Story ist eher banal: geile Tussi bezirzt doofen Soldaten, der verliebt sich in sie, sie machen Liebe oder das, was sie dafür halten, er gibt alles für sie auf, sowohl seine Stellung und seine ihn rührseelig liebende Verlobte, dieser dämliche Trottel, sie trifft dann einen Torero, den sie noch viel viel toller findet, doofer Soldat will sie zurück und bringt sie aus Eifersucht um.
Im großen und ganzen also fast so dämlich wie "Romeo und Julia" von Willi Schüttelspeer und Vorlage für diverse Vorabendsoaps und Bluttaten, von denen wir dann in der Lokalpresse erfahren.
Aber never mind, um die Qualität des Drehbuches geht es hier nicht wirklich. Das Bühnenbild ist richtig gut, es wird ein klassicher Marktplatz aufgebaut. Es sind an due 100 Leute auf der Bühne, so daß man gar nicht weiß, wer nun Protagonist ist und wer nicht, und, was ich am tollsten fand: es gibt richtig echte Pferde!

Solange noch Licht ist, versuche ich, den Text auf französisch zu verfolgen, was gar nicht so einfach ist. Leider wird es immer dunkler, so daß ich das Textbuch kaum noch lesen kann. Eine Zeitlang nutze ich den Bildschirm meiner Kamera als Lampe, was von den in der Nähe sitzenden Leuten sofort nachgeahmt wird, aber ziemlich nutzlos ist, wenn die Batterie alle ist. Das Handy liegt natürlich im Auto. Sei es drum.
Die Aufführung dauert recht lang, bis das berühmte "Auf in den Kampf Torehehehero, hast du auch keine Lust, und bist voller Frust...." ertönt vergehen rund 4 Stunden. Zwischendrinnen gibt es mehrere Pausen, in denen das Bühnenbild komplett neu aufgebaut wird, es wird auch merklich kühler, so daß ich froh bin, daß ich auch unsere Jacken mitgebracht habe. Gottseidank bleibt es trocken, wobei, einen Schirm hätte ich zur Not auch dagehabt.
Auch wenn ich kein großer Opernfan bin war der Besuch der Aufführung ein einmaliges Erlebnis. Die Atmosphäre ist einfach phantastisch, und das nächste Mal bringen wir bestimmt eine Taschenlampe und ein Opernglas mit, versprochen.
Auf dem Rückweg haben wir Hunger und probieren es bei McDuff. Dort haben wir Glück, ich ergattere den allerletzten Burger und Anna den letzten Salat, bevor sie schließen.
Gegen halb 3 sind wir wieder im Hotel. An Schlaf ist noch nicht zu denken, wir müssen ja noch packen, so daß wir erst gegen 4 Uhr morgens Ruhe finden.
