Eigentlich wollten wir heute wieder früher aufstehen, aber es gelingt uns einfach nicht, vor 13:00 aus unserem Sofa Bett zu kommen.
Ich zieh erst einmal los in den Carrefour Supermarkt gegenüber, Baguette, Croissants und eine Cola kaufen. Es ist fast genauso voll wie am Samstag Nachmittag, ich steh ewig an der Kasse und es gibt auch keinen, der mich vorbei läßt.
Na ja.
Während das Kaffeekochens verbrüht sich Anna am Kessel, weil der Deckel (wozu ist da ein Deckel dran???) einfach abfällt.

Beim zweiten Versuch passiert mir exakt das gleiche. Eine Stunde bade ich meinen Finger im kalten Wasser, bis er endlich aufhört, weh zu tun.
Nach dem Frühstück muß ich mich leider ein wenig meiner Arbeit widmen, ein Kunde hat einen Fehler gefunden, den muß ich erst einmal beheben.

Dann endlich ziehen wir los, es ist schon bald 4. Wir eilen Richtung Mall, es fängt an, ein wenig zu regnen, weswegen wir beschließen, erstmal das fürstliche Automuseum zu besichtigen, das die Sammlung des Prinzen beherbergt.
Die Eintrittspreise sind etwas geringer als bei Mercedes, das düstere Ambiente erinnert aber mehr an einen VAG Händler aus den 70er/80er Jahren, wobei der Schwerpunkt der Sammlung auf Vorkriegsfahrzeugen liegt.
Neuestes Auto ist neben einem F1 Renner ein Lamborghini Countach, der eine große Zusatzstoßstange besitzt. Innen wie außen ist der wie ein Batmobil anmutende Renner schwarz lackiert, vermutlich dürfte er sich schon im Stand dermaßen aufheizen das nie jemand auf den Gedanken gekommen ist, damit zu fahren. Und die Klimaanlage von dem Vehikel ist ja bekanntlich so, als ob "dir ein Astmathiker durch einen Strohhalm ein wenig Luft ins Gesicht pustet".

Älteste Objekte sind einge Pferdekutschen, die allesamt sehr benutzt aussehen, samt dazugehörigem Zaumzeug.

Daneben einige Fahrzeuge aus der Frühzeit des Automobils, einige Renaults aus den 20ern, bei denen man sehen kann, daß Renault schon damals einige sehr skurille Designs auf die Räder brachte, aber auch Fahrzeuge von Marken, von denen ich noch nie etwas gehört habe.

Es gibt einige amerikanische Limousinen, einige Kleinwägen, diverse S-Klassen. Hier eine kleine Auswahl der beeindruckensten Stücke:
EIn Humber aus den frühen Tagen des Automobils:
Ein Hotchkiss aus den 30ern:

Wer hat schon einmal von einem Napier gehört?

Da ist der Lincoln Doppel-Phaeton schon viel schicker:

Es gibt diverse Rolls-Royce Modelle, wie diesen Silver Spirit aus den 20ern:

So muß eine Kühlerfigur ausschauen:

Ein Hispano Suiza aus Spanien - ja, die haben wirklich mal Autos gebaut!
Ob der Fürst damit zum Strand gefahren ist?

Den Cadillac find ich prima:

Sportwägen wie dieser Ferrari Dino sind eher unser Fall:


Anna mag den alten Healy:

Mir gefällt der weiße Facel Vega besser:

In einer Ecke finden wir noch das da:

Es handelt sich um einen der ultraseltenen Bugatti Typ 57!

Und das ist einer der ersten Lamborghini, ein 400 GT!


Das schmale gelbe Auto dort ist ein französisches Cyclecar:

Und zum Schluß halt ein Formel 1 Rennauto...sieht nach Ferrari aus...gähn...

Die Zeit drängt, Anna möchte sich gern noch das Schloß ansehen. Das Wetter hat sich ein wenig beruhigt, wir eilen den Berg hinauf und sind erstmal geschafft.

In einem kleinen Laden erwerben wir eine Flasche Wasser. Es gibt zwei Museen: ein Palastmuseum mit langweiligem Zeugs, das mal Napoleon gehört hat, also Münzen und so'n Kram. Und dann gibt es noch die Appartements. Das klingt doch gleich viel besser.

Vor dem Eingang ein Hinweis, daß der letzte Einlass um 17:15 ist. Die Uhr zeigt 17:07, wir kommen gerad noch so rein, Glück gehabt. Wir bekommen jeder einen der unvermeidlichen Audioguides, die jedoch im Gegensatz zum System von Mercedes deutlich einfacher zu handhaben sind. Eine Dame mit Funkgerät "begleitet" uns unauffällig. Es geht eine Treppe hinauf, dann einen Balkon entlang, und wir sind drinnen.
Fotografieren und Filmen ist strengstens untersagt.
Das Palast ist ein wenig wie der in Wien, nur das die Räume alle relativ klein wirken. Es hängen alte Porträts an den mit Samt und Seide bezogenen Wänden, in der Mitte steht fast immer ein Tisch, an den Seiten einige Schränke oder auch mal ein Bett. Die Einrichtung erinnert sehr an die Spielzeugmöbel, die Mom sammelt (und malt), nur eben viel größer.
Es sind sogar einige Schlafzimmer erhalten, die ebenfalls recht klein sind. Das Bett ist nicht einmal Queensize, es stehen ein paar Stühle herum, teilweise sind die Möbel extrem abgewrackt, daß sich die meisten Sozialhilfeempfänger weigern würden, dort Quartier zu beziehen. Der Einrichtungsstil wird immer als "Name des Königs Einfügen" - Stil bezeichnet - ich persönlich finde diese Aussage als nichtssagend. Es wird eigentlich auch immer nur erwähnt, wer einen Gegenstand gekauft hat, aber nicht, warum er gekauft wurde, und wer ihn hergestellt hat.
Ungeklärt bleibt auch die Frage, wo sich denn das königliche Bad befindet.
Irgendwann kommen wir zum Thronsaal. D.h., es stehen ein paar Sofas an den Wänden, und an einer Wand ist eine kleine Erhöhung, auf der ein Sessel mit Armlehnen steht. Das ist dann der Thron.
Die meisten modernen Chefsessel sind deutlich eindrucksvoller, um es mal vorsichtig zu formulieren.
Aber der Saal wird offenbar nach wie vor genutzt. Genauso wie ein relativ schäbiger Marmortisch, auf dem immer noch alle wesentlichen Ereignisse (will sagen: Geburten, Hochzeiten, Amteinführungen, Todesfälle) notiert werden.
Where does history begin?
Interessant ist auch die Geschichte von Monaco: Es begann damit, daß ein Vorfahre sich vor 700 Jahren als Mönch verkleidet zu der Burg kam, sich Einlass verschaffte. Anschließend erdolchte er die Wachen feige von hinten, und öffnete die Tür seinen Kumpanen. Statt die Burg niederzubrennen hat die Bande dann einfach alle Bewohner ermordet und das Gemäuer für sich behalten, und seitdem herrscht die Familie Grimaldi dort, wenn auch mit kleineren Unterbrechungen.
Wer die Burg erbaut hat, und wem sie vorher gehörte, das möchte hier keiner wissen.
Auch auf seine Waffen ist man hier sehr stolz: in einem Raum gibt es Gewehre, Pistolen, Macheten bis hin zum Granatwerfer. Und es sind keinesfalls historische Waffen, sondern solche, bei denen eine Gangsterbande heute noch leuchtende Augen bekommen würde.
Bei einer Sache kann ich aber nur hämisch Grinsen:
Weil das Land so relativ klein ist und die Fürsten ihren Einflußbereich nie wirklich ausbauen konnten, war es auch nicht möglich, sich an einem anderen Ort ein prunkvolleres Schloß zu bauen.
Stattdessen mußten die Grimaldis mit der Burg vorliebnehmen und diese zu etwas einigermaßen repräsentativen Schloßähnlichen umbauen. Die armen Fürsten.
Nach einer halben Stunde sind wir mit dem Museum durch. War ein ganz netter Einblick. Schade, daß man nicht fotografieren durfte, es ging nichtmal heimlich- dazu wurden wir zu gut bewacht.
Unten machen wir noch einen kleinen Schlenker, finden einen hübschen Platz und kaufen Postkarten. Ob wir es auch schaffen werden, sie abzuschicken?


Wir beschließen den Tag mit einem kleinen Einkauf im Carrefour und einem hübschen Abendessen auf dem Balkon.

Das Wetter zieht sich zusammen, es gibt Regen. Anna schläft schon auf dem Sofa ein, während ich noch fleißig Tagebuch schreibe.
